DAS NEUE TTDSG UND VIDEOKONFERENZDIENSTE

Das TTDSG heißt eigentlich „Gesetz zur Regelung des Datenschutzes und des Schutzes der Privatsphäre in der Telekommunikation und bei Telemedien“ (TTDSG) und soll am 01.12.2021 in Kraft treten. Bereits in unseren Beiträgen aus Dezember 2020 sowie Mai 2021 haben wir über die wesentlichen Inhalte des damaligen Gesetzesentwurfes berichtet. Dieser Blogbeitrag soll nun zur Information über das verabschiedete Gesetz dienen und zentrale Aspekte, insbesondere im Hinblick auf Videokonferenzdienste, kurz darstellen.


BRAUCHEN WIR NOCH EIN DATENSCHUTZGESETZ?

Der Gesetzgeber hat sich mit der Novellierung des bereits bestehenden Telekommunikations- (TKG) sowie Telemediengesetzes (TMG) dafür entschieden, für diesen Bereich ein eigenes Gesetz zur Konkretisierung der allgemeinen Datenschutzanforderungen, insbesondere aus der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) sowie Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und Landesdatenschutzgesetzen, zu schaffen. Übrigens etwas, worum Datenschützer und Unternehmen in Bezug auf den Beschäftigtendatenschutz seit Jahr(zehnt)en bitten. Eine Novellierung der bisherigen Regelungen war aufgrund der seit 2018 geltenden DS-GVO sowie der ePrivacy-Richtline von 2002 (geänderte Fassung von 2009) dringend geboten und soll nach dem Wunsch des Gesetzgebers die bestehenden Rechtsunsicherheiten – zumindest in diesem Bereich – beseitigen. Zentral ist sicherlich die explizite Regelung des Einwilligungserfordernisses bei Cookies, Browser Fingerprinting, Smarthome etc. und deren Ausnahmen (§ 25 TTDSG) sowie die Möglichkeit von Diensten zur entsprechenden zentralen Einwilligungsverwaltung (§ 26 TTDSG). Darüber hinaus wurden Regelungen z.B. zum lang umstrittenen „Digitalen Erbe“ aufgenommen. Sowohl das TMG als auch das TKG bleiben grundsätzlich bestehen, das TKG wurde jedoch im gleichen Zuge modernisiert.


FÜR WEN GILT DAS GESETZ?

Zunächst einmal gilt das Gesetz nur für Anbieter von Telemedien- bzw. Telekommunikationsdiensten. Zu den Telemediendiensten nach § 1 Abs. 1 S. 1 TMG zählen zum Beispiel Internetauftritte, Onlineshops sowie Werbe-E-Mails (siehe hierzu auch Praxishilfe der GDD zum TTDSG).

Wer ein Telekommunikationsanbieter ist, beantwortet sich nach dem neuen § 3 TKG. Hierzu gehören sogenannte nummerngebundene sowie – neu – nummernunabhängige interpersonelle Kommunikationsdienste. Letztere werden auch „Over-the-top-Dienste“ (OTT) genannt. Die Internetanbieter, deren Infrastruktur zur Erbringung genutzt werden, haben auf diese keinen Einfluss. Gemeint sind z.B. webbasierte E-Mail-Dienste oder Messenger- Dienste wie WhatsApp oder Threema. Diese wurden bisher nicht von den telekommunikationsrechtlichen Vorgaben (siehe hierzu auch EuGH-Urteil vom 13.06.2019 – C-193/18) erfasst, sodass allein die allgemeinen Datenschutzregeln, insbesondere der DS-GVO, galten. Dienste, welche allein die Weitergabe von Inhalten (z.B. Nachrichtenportale) zum Ziel haben, sind auch weiterhin keine Telekommunikationsanbieter.


HANDELT ES SICH BEI VIDEOKONFERENZDIENSTEN DANN NOCH UM AUFTRAGSVERARBEITER?

Ob es sich bei Videokonferenzdiensten um Telekommunikationsdienste handelt und welche Auswirkungen dies auf die datenschutzrechtliche Beurteilung hat, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Hierbei muss sicherlich zwischen den verschiedenen Arten des Einsatzes (insbesondere SaaS/Online-Dienst bzw. on-Premise) unterschieden werden. Eine gute Darstellung hierzu findet sich in der DSK-Orientierungshilfe Videokonferenzsysteme. Derzeit wird von den Aufsichtsbehörden davon ausgegangen, dass es sich bei der Nutzung von Videokonferenzen und Messengern in Form von SaaS/Online-Diensten in der Regel um eine Auftragsverarbeitung handelt. Allerdings verweist die Berliner Aufsichtsbehörde im Rahmen der – zugegebenermaßen viel diskutierten – Prüfung der Verträge verschiedener Anbieter darauf, dass der deutsche Gesetzgeber diese eigentlich aufgrund der EU-Vorgaben bereits bis zum 21. Dezember 2020 im Rahmen neuer Regelungen für „Over-the-top-Dienste“ (OTT) hätte regeln müssen und es nur mangels einer deutschen Regelung bei der alten Rechtslage bleibt.

Anders sieht dies jedoch bisher bei Telekommunikationsanbietern aus, insofern diese keine hierüber hinausgehenden Zusatzdienste anbieten. Der Anbieter der Telekommunikationsleistungen (z.B. Telefon, Internet) wird insoweit nach dem Verständnis der Artikel-29-Gruppe als Verantwortlicher für die – technisch bzw. zur Sicherheitsabwehr notwendigen – Verkehrsdaten sowie für die Verarbeitung der Rechnungsdaten verantwortlich. Für die inhaltliche Komponente und diesbezügliche Datenverarbeitungen im Rahmen der Angebotsnutzung sind die Anwender allein verantwortlich. Entsprechend ist beispielsweise kein Auftragsverarbeitungsvertrag in Bezug auf die Nutzung eines E-Mail-Anbieters erforderlich.  Es gilt also zu hinterfragen, inwieweit diese Ausführungen noch – die Aussagen der Artikel-29-Gruppe entstammen aus der Zeit vor der DS-GVO und auch vor dem Urteil des EUGH – gelten können und beispielsweise auch auf Messenger- und Videokonferenzdienste anwendbar sind.


WAS UNTERSCHEIDET VIDEOKONFERENZDIENSTE VON KLASSISCHEN TELEKOMMUNIKATIONSANBIETERN?

Unstrittig ist sicherlich, dass ein Videokonferenzsystem in der Regel neben der reinen Videotelefonie noch weitere Funktionen beinhaltet. Denn neben der Möglichkeit der Aufzeichnung existieren häufig auch parallele Chatmöglichkeiten sowie die Möglichkeit des Austauschs von Daten. Insofern könnte man davon ausgehen, dass die Dienste über die „reine Telekommunikation“ hinausgehen. Zusammengefasst dienen diese Funktionen aber alle dem Ziel der Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien. Aus einem Brief wurde eine E-Mail und aus dieser ein Messenger-Dienst. Und aus dem Telefon wurde die Videotelefonie und schließlich in Verbindung mit Messengern-Diensten – und der damit verbundenen Möglichkeit, neben Texten auch Dokumente zu teilen – das Videokonferenzsystem als Basis weiterer kollaborativer Systeme.

Entsprechend einem klassischen Telekommunikationsdienst werden die übertragenen Inhalte bei all diesen Systemen allein durch die Nutzer gesteuert. Demgegenüber hat der Nutzer keinen Einfluss auf die technische Datenübertragung, da diese häufig aus Gründen der Diensterbringung, Systemsicherheit oder Abrechnung durch den Systemanbieter gesteuert wird.


WAS SPRICHT NOCH FÜR EINE AUFTRAGSVERARBEITUNG ODER EINE GEMEINSAME DATENVERARBEITUNG?

Unter diesem Gesichtspunkt kann die Annahme einer Auftragsverarbeitung als Versuch gesehen werden, die möglicherweise höheren Risiken dieser Systeme zu minimieren. Gleichzeitig bietet ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung vermeintliche Rechtssicherheit, da dieser gleichzeitig eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung der Daten durch den Dienstleister beinhaltet. Durch die Notwendigkeit einen geeigneten Dienstleister auszuwählen, soll sichergestellt werden, dass nur möglichst datenschutzfreundliche Dienste eingesetzt werden, wodurch wiederum seitens der Kunden Druck auf die Anbieter ausgeübt werden. Mit mäßigem Erfolg, wie man sieht…

Demgegenüber besteht bei Annahme einer gemeinsamen oder auch parallelen alleinigen Verantwortung von Anbieter und Anwender keine Privilegierung mehr, das heißt der Diensteanbieter würde gegenüber den Betroffenen mehr in die Pflicht genommen werden. Er muss insbesondere eine eigene Rechtsgrundlage für die systemimmanenten Datenverarbeitungen vorweisen können und ist für die Einhaltung der diesbezüglichen Betroffenenrechte allein verantwortlich. Eine ausführliche Darstellung der Datenverarbeitung durch beide Parteien wird auch unabhängig von einer Auftragsverarbeitung aus Gründen der Informiertheit zu fordern sein.

Daneben wird es auch hier Wettbewerbsdruck auf die Anbieter geben. Denn die Systeme müssen Funktionen vorweisen können, welche es dem Anwender als inhaltlich Verantwortlichen gestatten, selbst datenschutzfreundlich agieren zu können. Hierbei ist grundsätzlich auch zu prüfen, ob es mildere Mittel gibt oder die Datenverarbeitung eingeschränkt werden kann. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass die Systeme nicht nur ein höheres Risikopotenzial haben, sondern in weiten Teilen auch mehr technische Schutzmöglichkeiten (z.B. Moderationsrechte, Passwortschutz, Verschlüsselung) bieten, als dies beispielsweise bei Telefon, Fax und E-Mail möglich ist. Ob ein entsprechender Dienst durch den Nutzer im Rahmen eines beruflichen Kontextes (z.B. Webmeeting mit Geschäftspartnern, Studienberatung, digitale Lehre) nutzbar ist, wird sich daher auch weiterhin im Wesentlichen nach der Erforderlichkeit, der bestehenden Rechtsgrundlage und den spezifisch getroffenen technischen und organisatorischen Maßnahmen bestimmen. Hierbei ist stets auch zu berücksichtigen, inwieweit andere Kommunikationsteilnehmer verpflichtet sind, das entsprechende System zu nutzen und der Datenverarbeitung durch den Diensteanbieter zuzustimmen.


HAT DIES EINFLUSS AUF DIE ZULÄSSIGKEIT DER NUTZUNG US-AMERIKANISCHER DIENSTE?

Spannend dürfte auch der Einfluss auf die Problematik der Datenübermittlung in die USA oder andere datenschutzrechtliche Drittländer durch Nutzung entsprechender Dienste sein. Hier müsste konkret beleuchtet werden, inwieweit überhaupt Daten gemäß Art. 44 DS-GVO vom Verantwortlichen bzw. in dessen Einflussbereich übermittelt werden und inwieweit die Verarbeitung der Daten in den USA durch andere Rechtsgrundlagen und im Verantwortungsbereich des Dienstleisters gedeckt sein kann. Im Falle eines einfachen Telefonats unter Nutzung eines amerikanischen Telefonanbieters sowie der Nutzung eines amerikanischen E-Mail-Anbieters kann der Zugriff durch amerikanische Ermittlungsbehörden faktisch ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Insoweit – bei Abkehr von der bisherigen Annahme einer Auftragsverarbeitung – die Verantwortung bei dem jeweiligen Anbieter und nicht durch den Nutzer initialisiert wurde, liegt keine Übermittlung nach Art. 44 DS-GVO, sondern eine eigene Datenerhebung durch den Anbieter vor. Dem Anbieter obliegt jedoch unabhängig davon die Einhaltung der Anforderungen nach DS-GVO, da in der Regel der räumliche Anwendungsbereich nach Art. 3 DS-GVO eröffnet sein wird. Der Anwender wird seinerseits im Rahmen der oben genannten Punkte prüfen müssen, ob sich der Einsatz des Dienstes mit seinen rechtlichen Anforderungen in Einklang bringen lässt.


FAZIT

Es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Umfang sich die Aufsichtsbehörden zum datenschutzrechtlichen Einfluss des TTDSG allgemein sowie in Bezug auf Videokonferenzdienste positionieren. Wir können nur hoffen, dass dies zeitnah und in Abstimmung aller deutschen Aufsichtsbehörden erfolgt. Alles andere würde dazu führen, dass verantwortliche Stellen neben den sonstigen bestehenden Corona-Unsicherheiten auch in Hinblick auf die Anwendung von Systemen, welche in weiten Bereichen ein Homeoffice erst möglich macht, allein gelassen werden.

Über die Autorin: Kristin Beyer ist Wirtschaftsjuristin und als externe Datenschutzbeauftragte beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Sie unterstützt in Ihrem Fachbereich insbesondere Hoch-/Schulen, sonstige Bildungseinrichtungen sowie Forschungseinrichtungen in allen Fragen des Datenschutzes.

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DATENSCHUTZ IN DER KINDERTAGESSTÄTTE

Personenbezogene Daten von Kindern sind nach den Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) besonders schutzwürdig. Dies geht insbesondere aus Art. 8 DS-GVO sowie dem entsprechenden Erwägungsgrund 38 hervor: „Kinder verdienen bei ihren personenbezogenen Daten besonderen Schutz, da Kinder sich der betreffenden Risiken, Folgen und Garantien ihrer Rechte bei der Verarbeitung personenbezogener Daten möglicherweise weniger bewusst sind.“ Ein besonderes Augenmerk ist dementsprechend auf die Datenverarbeitung in Kindertagesstätten zu legen, wo die Verarbeitung von Kinderdaten wie bei kaum einer anderen Stelle zum Alltag gehört. Der Beitrag soll Praxisfragen klären und mit Missverständnissen aufräumen.


WER IST FÜR DIE DATENVERARBEITUNG IN DER KINDERTAGESSTÄTTE VERANTWORTLICH?

Wie bereits in unserem Blog-Beitrag „Reichweite der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit bei Kommunen“ dargestellt, ist für die Beantwortung der Frage der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit die jeweilige Trägerschaft entscheidend: Sofern sich eine Kindertagesstätte in der Trägerschaft einer Kommune befindet, ist diese für die Zwecke und Mittel der Datenverarbeitungen verantwortlich. Etwas anderes gilt dann, sofern sich eine Kindertagesstätte in freier Trägerschaft befindet: Die datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit für Datenverarbeitungen im Alltag der Kinder liegt dann beim jeweiligen Träger. Für die Vergabe der Kindertagesstättenplätze verbleibt jedoch in der Regel die Kommune als verantwortliche Stelle.


WELCHE DATEN DÜRFEN IM RAHMEN DES BETREUUNGSVERTRAGES VERARBEITET WERDEN?

Für die Anbahnung und den Abschluss des Betreuungsvertrages sowie zur Sicherstellung der Betreuung dürfen grundsätzlich diejenigen personenbezogenen Daten von Kindern, Sorgeberechtigten und Dritten (z.B. Abholberechtigten) verarbeitet werden, die zur Durchführung der Betreuung zwingend erforderlich sind. Die Rechtsgrundlage hierfür bildet das Vertragsverhältnis gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b) DS-GVO. Dementsprechend können auch Angaben zu Krankheiten oder Allergien verarbeitet werden, um den Erzieher:innen im Notfall eine angemessene Reaktion ermöglichen zu können. Weiterhin können auch Angaben bezüglich notwendiger Schutzimpfungen (z.B. Masernschutzimpfung) verarbeitet werden, da für die Einrichtungen eine entsprechende Verpflichtung zur Kontrolle besteht.


DÜRFEN KINDERNAMEN AN GARDEROBEN, BILDERN ODER BASTELEIEN ANGEBRACHT WERDEN?

Diese Frage wurde insbesondere um Mai 2018 herum kontrovers diskutiert. Abhilfe schaffte hierbei jedoch recht zeitnah das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht mit einer praxisnahen Stellungnahme im Rahmen des 8. Tätigkeitsberichtes 2017/2018: Grundsätzlich dürfen Namensschilder an Garderoben angebracht sowie Bilder und Basteleien mit den Namen der Kinder versehen werden. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht sieht hierbei den Betreuungsvertrag (Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b) DS-GVO) beziehungsweise das berechtige Interesse der Einrichtung (Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. f) DS-GVO) an der Organisation des Kita-Alltags als einschlägige Rechtsgrundlage an.


DÜRFEN ANWESENHEITS-, ALLERGIE- UND NOTFALLKONTAKTLISTEN ANGEFERTIGT WERDEN?

Grundsätzlich dient die Anfertigung solcher Listen der Durchführung des Betreuungsvertrages und kann dementsprechend vorgenommen werden. Derartige Listen sollten jedoch ausschließlich an geeigneten Orten ausgehangen werden, die nicht für jedermann zugänglich sind. In der Bestimmung eines geeigneten Ortes sind die jeweiligen Verwendungszwecke zu berücksichtigen und die zugriffsberechtigten Personen zu erörtern: Wer muss wissen, welche Kinder anwesend sind? Wer muss die Allergien eines Kindes einsehen können? Wer muss auf die Notfallkontakte zugreifen können?


DARF MIT ELTERN PER E-MAIL ODER ÜBER GÄNGIGE MESSENGER-DIENSTE KOMMUNIZIERT WERDEN?

Auf die datenschutzrechtliche Problematik im Zusammenhang mit gängigen Messenger-Diensten wie zum Beispiel WhatsApp oder Telegram haben wir bereits in unserem Blog-Beitrag „Messenger-Dienste und Datenschutz – „Würde ich selbst wollen, dass …?“ hingewiesen. Derartige Messenger-Dienste sind oftmals nicht datenschutzkonform einsetzbar, sodass auch die datenschutzrechtlichen Aufsichtsbehörden beispielsweise einen Einsatz von WhatsApp als nicht zulässig erachten. Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz führt in den FAQ zu „Datenschutz in der Kita“ aus: „Sofern es als notwendig erachtet wird, über Messenger mit Eltern zu kommunizieren, kommen nur europäische Anbieter, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten, in Betracht.“ Als Beispiel ist in diesem Zusammenhang der Messenger-Dienst Threema zu nennen.

Auch der Versand von E-Mails bietet meist ein nur geringes Schutzniveau. Dieses wird oftmals in Vergleich mit dem Schutzniveau einer Postkarte gesetzt. Dementsprechend können allgemein gehaltene Hinweise oder Einladungen zu Veranstaltungen per E-Mail versendet werden. Der Versand von personenbezogenen Daten von Kindern sollte jedoch grundsätzlich nicht per E-Mail erfolgen.


DÜRFEN DURCH KINDERTAGESSTÄTTEN FOTOGRAFIEN VON KINDERN ANGEFERTIGT UND VERÖFFENTLICHT WERDEN?

Werden Fotografien von Kindern oder anderen Personen angefertigt und sind diese auf den Aufnahmen zu identifizieren, so bedarf es grundsätzlich der Einwilligung der betroffenen Personen beziehungsweise der Sorgeberechtigten. Die Anzahl der aufgenommenen Personen (z.B. bei Gruppenaufnahmen) ist hierbei unerheblich (OVG Lüneburg, Beschl. v. 19.1.2021 – 11 LA 16/20). Bei Einwilligungen hinsichtlich der Verarbeitung von personenbezogenen Daten von Kindern ist dabei zwingend zu berücksichtigen, dass es in der Regel der Einwilligung aller Sorgeberechtigten bedarf (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 20.7.2021 – 1 UF 74/21). Weiterhin ist im Zusammenhang mit der Einwilligungserklärung zu berücksichtigen, dass sich diese zwingend auf die jeweiligen Verarbeitungszwecke und Veröffentlichungsmedien beziehen muss.

Zur Anfertigung von Fotografien durch die Kindertagesstätte dürfen keine privaten Endgeräte oder Speichermedien der Erzieher:innen verwendet werden.


DÜRFEN ELTERN INNERHALB DER KINDERTAGESSTÄTTE FOTOGRAFIEN VON IHREN EIGENEN KINDERN ANFERTIGEN?

Werden innerhalb der Kindertagesstätte durch die Eltern Fotografien von Kindern angefertigt, ist die jeweilige Kindertagesstätte für diese Datenverarbeitung nicht verantwortlich. Solange die Eltern die Aufnahmen ausschließlich für ihre privaten und familiären Zwecke anfertigen und nicht auf einschlägigen sozialen Netzwerken oder Cloud-Diensten hochladen, finden die Regelungen der DS-GVO zudem keine Anwendung (Art. 2 Abs. 2 lit. c DS-GVO). Im Zweifel lässt sich für die Erzieher:innen jedoch nicht erkennen, ob gegebenenfalls auch weitere Kinder aufgenommen werden und zu welchen Zwecken eine solche Aufnahme erfolgt. Daher steht es den Einrichtungen im Rahmen ihres Hausrechts grundsätzlich frei, ein Verbot von Fotoaufnahmen durch Eltern auszusprechen.


DÜRFEN DIE DIENSTPLÄNE DER ERZIEHER:INNEN AUSGEHANGEN WERDEN?

Auch wenn diese in der Praxis häufig gestellten Frage nicht den Schutz personenbezogener Daten von Kindern betrifft, soll sich abschließend dem Datenschutz der Erzieher:innen gewidmet werden. Die aufgeworfene Frage kann insoweit bejaht werden, dass soweit es aus organisatorischen Gründen erforderlich ist, der Aushang des Dienstplans vorgenommen werden kann. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Dienstpläne ausschließlich dort ausgehangen werden, wo ausschließlich die Erzieher:innen und keine Dritte Einsicht nehmen können. Weiterhin ist aus organisatorischen Gründen im Abwesenheitsfall der Vermerk „Abwesend“ oder „A“ ausreichend. Eine Kennzeichnung und Unterscheidung von „Krank“, „Kind-Krank“, „Urlaub“ oder „Kur“ ist für die Organisation des Kita-Alltags nicht erforderlich und die Offenlegung gegenüber sämtlichen Erzieher:innen mithin datenschutzrechtlich unzulässig.


FAZIT

Im Alltag einer Kindertagesstätte ergeben sich viele datenschutzrechtliche Fragestellungen, für die (mittlerweile) jedoch auch praxistaugliche Antworten vorliegen. Insofern Unsicherheiten im Umgang mit personenbezogenen Daten mit Kindern bestehen, sind Erzieher:innen gut beraten den Datenschutzbeauftragten der verantwortlichen Stelle zu Rate zu ziehen.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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DATENSCHUTZRECHTLICHE GRUNDLAGEN DER VIDEOÜBERWACHUNG


ALLGEMEINES

Unter dem Begriff der „Videoüberwachung“ ist in datenschutzrechtlicher Hinsicht jegliche Beobachtung öffentlich zugänglicher Räume mit optisch-elektronischen Einrichtungen zu verstehen. Ein „Raum“ ist bereits dann als öffentlich zugänglich zu definieren, wenn nicht hinreichend ausgeschlossen werden kann, dass unbeteiligte Dritte diesen passieren. Dementsprechend kann auch ein abgesicherter Baustellenbereich im Rahmen einer Videoüberwachung bereits als öffentlich zugänglicher Raum angesehen werden.


RECHTSGRUNDLAGEN

In der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) finden sich zum Thema Videoüberwachung keine expliziten Rechtsgrundlagen. Lediglich im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), genauer im § 4 BDSG, ist die Zulässigkeit einer Videoüberwachung öffentlich zugänglicher Räume normiert. Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. März 2019 ist diese Norm jedoch teilweise europarechtswidrig und somit für nicht-öffentliche verantwortliche Stellen nicht anwendbar. Aus diesem Grund ist bei einer Videoüberwachung in der Regel allein auf die allgemeine Norm des Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. f DS-GVO (Interessenabwägung) abzustellen.

Darüber hinaus ergeben sich für öffentliche Stellen der Länder oftmals aus dem jeweiligen Landesrecht spezifische Rechtsgrundlagen, zum Beispiel in Sachsen aus § 13 Sächsisches Datenschutzdurchführungsgesetz (SächsDSDG) oder in Brandenburg aus § 28 Brandenburgisches Datenschutzgesetz (BbgDSG).

Sollten im Rahmen einer Videoüberwachung, beispielsweise mithilfe einer Gesichtserkennungssoftware, biometrische Daten verarbeitet werden, ist ebenfalls der Anwendungsbereich des Art. 9 DS-GVO (Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten) eröffnet. Findet eine Videoüberwachung hingegen ausschließlich zur Ausübung persönlicher oder familiären Tätigkeiten statt, das heißt eine Videoüberwachung un-beteiligter Dritter ist ausgeschlossen, finden die Regelungen der DS-GVO keine Anwendung. Hierbei ist dennoch stets das allgemeine Persönlichkeitsrecht zu achten. Die Anzahl der Anwendungsfälle für die Ausnahmeregelung hinsichtlich des persönlich-familiären Bereichs gemäß Art. 2 Abs. 2 lit. c DS-GVO dürfte im Zusammenhang mit einer Videoüberwachung jedoch entsprechend gering sein.


INTERESSENABWÄGUNG

Entsprechend des Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. f DS-GVO ist eine Verarbeitung personenbezogener Daten rechtmäßig, wenn diese zur Wahrung eines berechtigten Interesses des Verantwortlichen oder eines Dritten erforderlich ist. Zusätzlich ist jedoch zu prüfen, ob möglicherweise die Interessen oder Grundrechte und Grundfreiheiten betroffener Personen überwiegen. Zusammenfassend bedarf es somit drei wesentlicher Elemente: Die Wahrung berechtigter Interessen, die Erforderlichkeit einer Videoüberwachung sowie einer Interessenabwägung zwischen den Interessen des Verantwortlichen und denen des Betroffenen.

Hinsichtlich eines berechtigten Interesses bei einer Videoüberwachung kann sowohl auf das des Verantwortlichen als auch auf das eines Dritten, beispielsweise eines Ladenmieters in einem Einkaufszentrum verwiesen werden. In diesem Zusammenhang können unter anderem die Beweissicherung durch Aufzeichnung und die hieraus ermöglichte Geltendmachung zivilrechtlicher Schadensersatzansprüche ein berechtigtes Interesse darstellen.

Weiterhin muss eine Videoüberwachung auch erforderlich sein. Das bedeutet, es ist zu hinterfragen, ob das festgelegte Ziel durch eine Videoüberwachung erreicht werden kann und ob unter Umständen nicht sogar ein anderes, weniger in die Rechte der betroffenen Personen eingreifendes Mittel, die gleiche Wirkung erzielen könnte. In Betracht kommen hier beispielsweise der Einsatz von Sicherheitspersonal oder ein Echtzeit-Monitoring anstatt einer Videoaufzeichnung.

Bei der anschließenden Interessenabwägung sind die gegebenenfalls entgegenstehenden Interessen beziehungsweise Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Personen zu berücksichtigen. Sofern diese die Interessen der verantwortlichen Stelle überwiegen, kann eine Videoüberwachung in der geplanten Form nicht durchgeführt werden.

Im Rahmen der Interessenabwägung sind insbesondere die vernünftigen Erwartungen betroffener Personen im konkreten Einzelfall zu berücksichtigen. Entscheidend ist auch, inwiefern eine Videoüberwachung typischerweise akzeptiert oder abgelehnt wird. Ein strengerer Maßstab gilt bei einer Videoüberwachung von Beschäftigten. Gänzlich abgelehnt wird eine Videoüberwachung hingegen im Nachbarschaftskontext, in Behandlungs- und Wartezimmern, in Ruhe- und Pausenräumen sowie in Toiletten- und Umkleidebereichen. Eine Videoüberwachung in diesen Umgebungen wird stets als unzulässig einzustufen sein. Aber auch die Videoüberwachung öffentlicher Verkehrsräume darf in der Regel nicht vorgenommen werden.


WEITERE ANFORDERUNGEN

Insbesondere nach Art. 25 und Art. 32 DS-GVO ist auch bei der Einführung einer Videoüberwachung auf eine sichere und datenschutzfreundliche Gestaltung zu achten. Dies beinhaltet neben einer möglichen zeitlichen Einschränkung auch die räumliche Einschränkung der Videoüberwachung. Wird mit der Videoüberwachung die Beobachtung eines Betriebsgeländes beabsichtigt, müssen Bereiche, die nicht zu dem Betriebsgelände gehören ausgeblendet oder verpixelt werden. Nicht benötigte Funktionalitäten, wie zum Beispiel die Schwenkbarkeit, Zoomfähigkeit sowie Audioaufnahme sollte durch die Überwachungstechnik nicht unterstützt oder zumindest vor Inbetriebnahme deaktiviert werden.

Zusätzlich ist vor der Inbetriebnahme der Videoüberwachung die/der Datenschutzbeauftragte zu kontaktieren. Diese/r berät nicht nur hinsichtlich der technischen Ausgestaltung, sondern überprüft auch, inwiefern im Einzelfall eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DS-GVO notwendig ist. Weiterhin wird die/der Datenschutzbeauftragte auch bei der Erstellung und Anpassung der entsprechenden Einträge in das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten gemäß Art. 30 Abs. 1 DS-GVO unterstützend tätig.


LÖSCHFRISTEN

Wie bei allen personenbezogenen Daten, sind auch die Daten der Videoüberwachung gemäß Art. 17 Abs. 1 lit. a DS-GVO umgehend zu löschen, wenn diese zur Erreichung der Zwecke, für die sie erhoben wurden, nicht mehr erforderlich sind. Durch die Aufsichtsbehörden wird die Meinung vertreten, dass regelmäßig innerhalb von zwei Tagen entschieden werden kann, ob eine Sicherung des Videomaterials zur weiteren Verfolgung der Zwecke notwendig ist. Dementsprechend gilt vor allem unter der Berücksichtigung des Grundsatzes der Datenminimierung und der Speicherbegrenzung eine Löschfrist von höchstens 48 Stunden, sofern besondere Umstände nicht eine längere Speicherdauer begründen können.


HINWEISBESCHILDERUNG

Zudem fordert die DS-GVO eine transparente Datenverarbeitung. Daraus folgt, dass auch bei einer Videoüberwachung die Informationspflichten nach Art. 13 DS-GVO einzuhalten sind. Hierbei sind mindestens Angaben zur Identität des Verantwortlichen, die Kontaktdaten der/des Datenschutzbeauftragten, die Verarbeitungszwecke und Rechtsgrundlage, die Dauer der Speicherung sowie der Hinweis auf die Betroffenenrechte vorzunehmen. Diese Informationen müssen der betroffenen Person in gut lesbarer und verständlicher Weise bereitgestellt werden, möglichst noch bevor diese den videoüberwachten Bereich betritt.


SANKTIONEN

Grundsätzlich können Sich betroffene Personen nach Art. 77 DS-GVO bei einer Aufsichtsbehörde beschweren, wenn diese der Ansicht sind, dass eine Verarbeitung personenbezogener Daten rechtswidrig erfolgt. Die Aufsichtsbehörde kann im Rahmen einer Sanktionierung insbesondere Bußgelder erlassen oder eine weitere V-deoüberwachung versagen beziehungsweise mit Auflagen belegen.


WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Weiterführende Informationen zum Thema Videoüberwachung erhalten Sie auf den Internetseiten der jeweiligen Aufsichtsbehörden sowie im Kurzpapier Nr. 15 der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder (Datenschutzkonferenz – DSK). Darüber hinaus erhalten Sie die Informationen dieses Beitrages auch in unserem Leitfaden „Videoüberwachung – Datenschutzrechtliche Grundlagen und Hinweise für verantwortliche Stellen, die eine Videoüberwachung bereits durchführen oder die Einführung einer Videoüberwachung beabsichtigen“. Darin enthalten sind ebenfalls zwei Beispiele einer möglichen Hinweisbeschilderung.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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REICHWEITE DER DATENSCHUTZRECHTLICHEN VERANTWORTLICHKEIT BEI KOMMUNEN

Der verantwortlichen Stelle kommt im Normgefüge der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) eine ganz besondere Bedeutung zu: Dieser obliegt die Umsetzung der datenschutzrechtlichen Anforderungen, insbesondere der Sicherstellung der datenschutzrechtlichen Grundätze, der Vornahme der weitreichenden Dokumentationspflichten sowie der Implementierung entsprechender Prozesse zur Beantwortung von Betroffenenanfragen und Meldung von Datenschutzverletzungen. Aus diesem Grund stellt sich insbesondere im Zusammenhang mit Kommunen in der Praxis häufig die Frage, wie weit der Begriff der verantwortlichen Stelle zu verstehen ist, beziehungsweise welche Stellen, Einrichtungen und Organe der Kommune als verantwortlichen Stelle zuzurechnen sind.


BEGRIFF DES VERANTWORTLICHEN

Der Begriff des Verantwortlichen (auch „verantwortliche Stelle“) ist in Art. 4 Nr. 7 DS-GVO legaldefiniert. Verantwortlicher ist demnach „die natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet, […].“ Entscheidend für die Feststellung und Abgrenzung einer verantwortlichen Stelle ist demnach, dass die entsprechende Stelle tatsächlich über die Entscheidungsbefugnis hinsichtlich Zwecke und Mittel, das heißt über das „ob“, „warum“ und „wie“, einer Datenverarbeitung verfügt. Sie unterscheidet sich damit beispielsweise grundsätzlich von einem Auftragsverarbeiter im Sinne des Art. 4 Nr. 8 DS-GVO, welcher Datenverarbeitungen stets strikt nach Weisung und im Auftrag einer verantwortlichen Stelle durchführt.

Aus der Legaldefinition des Begriffs der verantwortlichen Stelle folgt demnach auch, dass Datenverarbeitungen von Einzelpersonen oder Personengruppen, die einen Bezug  zu einem Beschäftigtenverhältnis oder einer ähnlich gearteten Tätigkeit aufweisen, grundsätzlich der übergeordneten Stelle, zum Beispiel dem Arbeitgeber, zuzurechnen sind. Führt eine einzelne Person in dieser Konstellation jedoch Datenverarbeitungen zu eigenen Zwecken durch und handelt in diesem Zusammenhang etwa gegen Anweisungen oder Richtlinien der übergeordneten Stelle, ist unter Umständen auch diese als verantwortliche Stelle im Sinne des Art. 4 Nr. 7 DS-GVO anzusehen. Hierbei ist jedoch nicht auszuschließen, dass die übergeordnete Stelle aufgrund unzureichender technischer und organisatorischer Maßnahmen zumindest eine Mitverantwortung trifft.


KOMMUNE ALS VERANTWORTLICHER

Aus der obigen Darstellung ergibt sich somit ohne Zweifel, dass die einzelnen Fachbereiche und Ämter einer Kommune der Kommune selbst als verantwortlicher Stelle zuzurechnen sind. Unter Umständen weniger eindeutig ist dies jedoch bei einzelnen Gremien oder weiteren Stellen und Einrichtungen:


PERSONALRAT

Parallel zu der Frage, ob der Betriebsrat als Teil der verantwortlichen Stelle anzusehen ist, stellte sich diese Frage ebenso lange Zeit hinsichtlich des Personalrates. Auch wenn es in den landesspezifischen Personalvertretungsgesetzen überwiegend keine zu § 79a Betriebsverfassungsgesetz vergleichbare Regelungen gibt, sprechen die zum Teil hervorgebrachten Argumente für eine Zuordnung zur Kommune als verantwortliche Stelle. Im Ergebnis ergibt sich für den Personalrat eine Mitwirkungsverpflichtung zur Einhaltung der datenschutzrechtlichen Grundsätze sowie zur Umsetzung der datenschutzrechtlichen Dokumentationspflichten, jedoch keine ausschließliche Verantwortlichkeit im Sinne des Art. 4 Nr. 7 DS-GVO.


GEMEINDE-/STADTRAT

Der Gemeinde-/Stadtrat ist grundsätzlich als Verwaltungsorgan und mithin als Organ der jeweiligen Gemeinde beziehungsweise Stadt anzusehen. Als Organ ist der Gemeinde-/Stadtrat demzufolge als integrierter Bestandteil der jeweiligen Gebietskörperschaft als juristischer Person und mithin nicht als eigene verantwortliche Stelle im Sinne des Art. 4 Nr. 7 DS-GVO zu verstehen. Dies geht beispielsweise auch aus der Informationsbroschüre „Datenschutz für bayerische Gemeinderatsmitglieder“ hervor: „Als ehrenamtliches Gemeinderatsmitglied entscheiden Sie nicht im eigenen Namen und meist auch nicht allein über Datenverarbeitungen Ihrer Gemeinde. Sie wirken vielmehr  an den Entscheidungen des Gemeinderats mit, der seinerseits als Organ für die Gemeinde handelt. Das Handeln dieses Organs wird dann der Gemeinde zugerechnet, mit der Folge, dass sie im Datenschutzrecht die Rolle des Verantwortlichen spielt.“


ORTSCHAFTSRAT

Gleiches gilt im Ergebnis für Ortschaften als nicht rechtsfähige Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie die zugehörigen Ortschaftsräte, einschließlich der Ortsvorsteher. Diese sind als unselbständiger Teil der jeweiligen Gemeinde beziehungsweise Stadt anzusehen, sodass die Tätigkeiten des Ortschaftsrates nach datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten stets der verantwortlichen Stelle der Kommune zuzurechnen sind.


KINDERTAGESSTÄTTEN

Hinsichtlich der Kindertagesstätten ist für die Beurteilung der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit zunächst die Frage nach der jeweiligen Trägerschaft entscheidend. Sofern sich eine Kindertagesstätte in der Trägerschaft der jeweiligen Kommune befindet, ist davon auszugehen, dass die Kommune grundsätzlich über die Zwecke und Mittel der Datenverarbeitungen entscheidet. Dies beschränkt sich dann nicht ausschließlich auf die Vergabe der Kindertagesstättenplätze sondern erstreckt sich auch auf die Datenverarbeitungen innerhalb der Kindertagesstätte, wie zum Beispiel das Führen von Anwesenheitslisten, die Vornahme der Entwicklungsdokumentation sowie die Anfertigung von Foto- und Videoaufnahmen. Etwas anderes gilt dann, sofern sich eine Kindertagesstätte in freier Trägerschaft befindet. Die datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit für Datenverarbeitungen im Alltag der Kinder liegt dann beim jeweiligen Träger. Für die Vergabe der Kindertagesstättenplätze verbleibt jedoch die Kommune verantwortliche Stelle.


KULTUR- UND FREIZEITEINRICHTUNGEN

Bei Kultur- und Freizeiteinrichtungen entscheidet sich die datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit anhand des konkreten Betreibers: Oftmals werden für den Betrieb derartiger Einrichtungen (gemeinnützige) Gesellschaften gegründet. Hieraus folgt dann, dass diese Gesellschaft als eigenständige juristische Person und nicht die Kommune als Verantwortlicher im Sinne des Art. 4 Nr. 7 DS-GVO einzustufen ist.


UMSETZUNG IN DER PRAXIS

Aufgrund der Strukturen der Kommunalverwaltung und der Vielzahl der Kommune als verantwortliche Stelle zuzurechnender Stellen, Einrichtungen und Organe, ist die Einführung eines umfassenden Datenschutzmanagementsystems zu empfehlen. Aus diesem sollten sich zunächst die Reichweite der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit der Kommune sowie die hieraus resultierenden Mitwirkungspflichten der einzelnen Personen und Personengruppen (z.B. Gemeinde-/Stadträte, Ortsvorsteher, Beschäftigte der Kindertagesstätten) ergeben. Weiterhin bedarf es der Implementierung von Prozessketten, sodass im Falle von Datenschutzverletzungen oder bei Geltendmachung von Betroffenenrechten sowohl der behördliche Datenschutzbeauftragte als auch die Leitung der verantwortlichen Stelle hiervon unmittelbar Kenntnis erlangen.

Darüber hinaus ist eine weitere Zuweisung von Zuständigkeiten sinnvoll, zum Beispiel: In welchem Rahmen und durch welche Personenkreise erfolgt eine Zuarbeit hinsichtlich der Erstellung und Aktualisierung des Verzeichnisses der Verarbeitungstätigkeiten nach Art. 30 DS-GVO sowie der Datenschutzinformationen nach Art. 13 und Art. 14 DS-GVO? Durch welche fachbereichs- oder prozessverantwortliche Stelle erfolgt eine Überprüfung und Aufbewahrung der Verträge zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DS-GVO beziehungsweise zur gemeinsamen Verantwortlichkeit nach Art. 26 DS-GVO?

Der Kommune obliegt zudem die Gewährleistung der Sicherheit der Verarbeitung nach Art. 32 DS-GVO für alle Ämter, Fachbereiche, Gremien, Organe und Einrichtungen. Dies umfasst beispielsweise regelmäßig die Bereitstellung der notwendigen technischen Infrastruktur (z.B. von Laptops und E-Mail-Postfächern) sowie die entsprechende Absicherung (z.B. Verschlüsselung von Festplatten, Einrichtung von Firewalls und Antiviren-Softwares) dieser. Die Nutzung privater Endgeräte und Postfächer wird datenschutzrechtlich regelmäßig als problematisch bis unzulässig einzustufen sein.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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EINWILLIGUNGEN – WIE? WANN? WOFÜR NICHT?

Die Einwilligung der betroffenen Person wird häufig als die „ultimative“ Rechtsgrundlage zur Verarbeitung personenbezogener Daten missverstanden. An die Einwilligung der betroffenen Person sind eine Vielzahl von Anforderungen geknüpft, sodass sich ein Rückgriff auf diese im Rahmen zahlreicher Verarbeitungssituationen verbietet. Der Beitrag stellt die verschiedenen Anforderungen an eine rechtskonforme Einwilligung dar und zeigt beispielhaft Sachverhalte auf, in denen es für die Verarbeitung personenbezogener Daten keiner gesonderten Einwilligung der betroffenen Person bedarf.


NACHWEIS EINER EINWILLIGUNG

Grundsätzlich fordert die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) keine schriftliche Einwilligung der betroffenen Person, sodass eine Datenverarbeitung auch auf eine „konkludente“ (aus dem Verhalten einer betroffenen Person schlüssig ableitbare) Einwilligung gestützt werden kann. Vielfach wird in diesem Zusammenhang beispielhaft angeführt, dass das Posieren einer betroffenen Person vor einer Kamera bereits als konkludente Einwilligung gewertet werden könne. Probleme ergeben sich hierbei jedoch im Rahmen des Nachweises: Art. 7 Abs. 1 DS-GVO fordert seitens des Verantwortlichen, dass dieser die Einwilligung der betroffenen Person in die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten nachweisen können muss. Gleiches ergibt sich auch aus der Rechenschaftspflicht des Art. 5 Abs. 2 DS-GVO.

Besonderheiten ergeben sich zudem im Rahmen der Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten i.S.d. Art. 9 Abs. 1 DS-GVO. Die Rechtsgrundlage des Art. 9 Abs. 2 lit. a DS-GVO setzt nach ihrem Wortlaut bereits eine ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person voraus. Das Abstellen auf eine konkludente Einwilligung ist in diesem Rahmen nicht möglich. Erfolgt die Verarbeitung personenbezogener Daten eines Kindes in Bezug auf Dienste der Informationsgesellschaft gemäß Art. 8 Abs. 1 DS-GVO, bedarf es darüber hinaus der Einwilligung der Träger der elterlichen Verantwortung. Gemäß Art. 8 Abs. 2 DS-GVO hat sich der Verantwortliche mit angemessenen Anstrengungen über die tatsächliche Einwilligung der Träger der elterlichen Verantwortung zu vergewissern. Dies ist im Zweifelsfall nachzuweisen.


FREIWILLIGKEIT, BESTIMMTHEIT, TRANSPARENZ

Eine Einwilligung setzt stets ein aktives Handeln einer betroffenen Person voraus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese tatsächlich eine freie Wahl über die (Nicht-)Abgabe ihrer Einwilligung besitzt. Nach Erwägungsgrund (ErwGr.) 42  Satz 5 zur DS-GVO muss die betroffene Person insbesondere in der Lage sein, ihre Einwilligung zu verweigern oder zurückzuziehen, ohne hierdurch Nachteile zu erleiden. Dies ist bereits dann nicht anzunehmen, sofern die Erbringung einer Dienstleistung von der Abgabe einer Einwilligung abhängig gemacht wird oder  wenn zu verschiedenen Verarbeitungsvorgängen nicht gesondert eine Einwilligung erteilt werden kann (Art. 7 Abs. 4 DS-GVO, ErwGr. 43 Satz 2 zur DS-GVO). Auch kann dann nicht von einer freiwillig erteilten Einwilligung ausgegangen werden, wenn zwischen Verantwortlichem und betroffener Person ein klares Ungleichgewicht besteht und es im konkreten Fall unwahrscheinlich ist, dass die Einwilligung freiwillig erteilt wurde (ErwGr. 43  Satz 1 zur DS-GVO). Dies kann in bestimmten Fällen beispielsweise bei Behörden oder im Beschäftigungskontext anzunehmen sein.

Ferner bedarf es gegenüber der betroffenen Person einer umfangreichen Information, zumindest über die verantwortliche Stelle sowie die konkreten Zwecke der Verarbeitung (ErwGr. 42 Satz 4 zur DS-GVO). Es empfiehlt sich jedoch die Inhalte der Einwilligungserklärung entsprechend den Anforderungen an Datenschutzinformationen nach Art. 13 DS-GVO zu gestalten, um zugleich dieser datenschutzrechtlichen Verpflichtung nachzukommen. Die Einwilligungserklärung ist in verständlicher und leicht zugänglicher Form sowie in einer klaren und einfachen Sprache zur Verfügung zu stellen (ErwGr. 42 Satz 3 zur DS-GVO). Dies umfasst gemäß Art. 7 Abs. 2 DS-GVO auch, dass eine Einwilligungserklärung im Rahmen anderer Erklärungen deutlich als Ersuchen um Einwilligung der betroffenen Person hervorzuheben und von weiteren Sachverhalten deutlich abzutrennen ist.


GELTUNGSDAUER EINER EINWILLIGUNG

Eine zeitlich beschränkte Geltungsdauer der Einwilligung sieht die DS-GVO nicht vor. In Art. 7 Abs. 3 DS-GVO heißt es lediglich, dass die betroffene Person das Recht hat, ihre Einwilligung zu widerrufen, wobei der Widerruf so einfach wie die Erteilung der Einwilligung sein muss.

In der Vergangenheit ging die Rechtsprechung zu Teilen davon aus, dass eine abgegebene Einwilligung nach einer Nichtnutzung von anderthalb bis zwei Jahren erlischt (AG Bonn, Urt. v. 10. Mai 2016 – 104 C 227/15; LG München, Urt. v. 08. April 2010 – 17 HK O 138/10; LG Berlin, Beschl. v. 02. Juli 2004 – 15 O 653/03). Der Bundesgerichtshof (BGH) führte jedoch 2018 in einem Urteil bezugnehmend auf die Werbeeinwilligung nach § 7 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) sowie auf die Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation (Richtlinie 2002/58/EG) aus, dass eine Einwilligung nicht allein durch Zeitablauf endet (BGH, Urt. v. 01. Februar 2008 – III ZR 196/17). Mit Blick auf Art. 7 Abs. 3 DS-GVO ist für die Einwilligung nach der DS-GVO selbiges anzunehmen.


RECHTSFOLGEN EINER NICHT-KONFORMEN EINWILLIGUNG

Entspricht eine Einwilligungserklärung nicht den dargestellten rechtlichen Anforderungen, so ist diese als unwirksam anzusehen. Die Datenverarbeitung kann dementsprechend nicht auf die Rechtsgrundlage einer Einwilligung gestützt werden. Kann der Verantwortliche die Umsetzung der datenschutzrechtlichen Voraussetzungen an eine Einwilligungserklärung nicht zweifelsfrei nachweisen, ist dies ebenso rechtswidrig.

Verarbeitungen personenbezogener Daten ohne (nachweisbare) einschlägige Rechtsgrundlage stellen grundsätzlich einen Verstoß gegen die datenschutzrechtlichen Grundsätze aus Art. 5 DS-GVO dar und können durch die Aufsichtsbehörden entsprechend (z.B. mit einem Bußgeld und/oder durch Untersagung der jeweiligen Datenverarbeitung) geahndet werden.


BEISPIELE AUS DER PRAXIS

In der Praxis wird sich häufig auf die Einwilligung als Rechtsgrundlage gestützt. Doch nicht immer ist dies auch sinnvoll. Regelmäßig ergeben sich anderweitig einschlägige Rechtsgrundlagen, welche für den konkreten Verarbeitungszweck besser – oder gar ausschließlich – geeignet sind. Einwilligungen können ausschließlich dann als Rechtsgrundlage herangezogen werden, sofern die beabsichtigte Datenverarbeitung nicht zwingend erforderlich ist. Eine Einwilligung der betroffenen Person ist beispielsweise in folgenden Konstellationen nicht erforderlich:

Beschäftigtenverhältnis: Datenverarbeitungen, welche zwingend zur Begründung, Durchführung oder Beendigung des Beschäftigtenverhältnisses erforderlich sind (z.B. Bewerbermanagement, Lohn- und Gehaltsabrechnung), sind auf die Rechtsgrundlage des Art. 88 Abs. 1 DS-GVO i.V.m. § 26 Abs. 1 BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) zu stützen. Eine Einwilligung von Beschäftigten ist ausschließlich dann erforderlich, sofern darüberhinausgehende Datenverarbeitungen erfolgen sollen. Ein klassisches Beispiel ist die Veröffentlichung von Fotoaufnahmen auf der Internetseite oder in Broschüren. Die Rechtsgrundlage bildet hierfür die Einwilligung gemäß Art. 88 Abs. 1 DS-GVO i.V.m. § 26 Abs. 2 BDSG.

Vertragsverhältnis: Sofern die Verarbeitung personenbezogener Daten zur Erfüllung eines Vertrages (z.B. Abrechnung) oder zur Durchführung vorvertraglicher Maßnahmen erforderlich ist (z.B. zur Erstellung eines unverbindlichen Angebotes), bildet Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b DS-GVO die einschlägige Rechtsgrundlage. Ein Rückgriff auf die Rechtsgrundlage der Einwilligung verbietet sich hierbei bereits aufgrund der untrennbaren Verknüpfung zwischen (potenziellem) Vertragsverhältnis und Datenverarbeitung.

Rechtliche Verpflichtung: Einer Einwilligung der betroffenen Person bedarf es ferner nicht, falls die verantwortliche Stelle zur Verarbeitung der personenbezogenen Daten verpflichtet ist. Die einschlägige Rechtsgrundlage stellt Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. c DS-GVO i.V.m. einer spezialgesetzlichen Rechtsvorschrift dar. Eine solche rechtliche Verpflichtung liegt beispielsweise hinsichtlich der Aufbewahrung handels- bzw. steuerrechtlicher Unterlagen vor, welche nach den Regelungen des Handelsgesetzbuches sowie der Abgabenordnung aufzubewahren sind. Derartige spezialgesetzliche Aufbewahrungsfristen gelten vorrangig zur Verpflichtung zur Löschung personenbezogener Daten nach Art. 17 DS-GVO.


FAZIT

Wie der Beitrag aufzeigt, sind im Zusammenhang mit einer Einwilligung zahlreiche Anforderungen, zum Beispiel hinsichtlich der Transparenz und der Freiwilligkeit zu beachten. Weiterhin sollte stets überprüft werden, ob gegebenenfalls alternative Rechtsgrundlagen zur Verarbeitung personenbezogener Daten einschlägig sind. Auf eine Einwilligung sollte sich tatsächlich nur in Ausnahmefällen gestützt werden. Weitergehende Informationen lassen sich auch dem Kurzpapier Nr. 20 „Einwilligung nach der DS-GVO“ der Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder (Datenschutzkonferenz – DSK) entnehmen. Hierzu ist in Kürze auch mit einer überarbeiteten Fassung zu rechnen.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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DATENSCHUTZ IN DER CORONA-PANDEMIE

Seit Beginn der Corona-Pandemie ergeben sich in zahlreichen Lebenslagen neue rechtlichen Problemstellungen. Neben sicherheitsrechtlichen Aspekten wie beispielsweise gezielten Phishing-Angriffen, die einen Bezug zur Covid-19-Pandiemie aufwiesen, kommt es auch im Datenschutzrecht immer wieder zu Fragen rund um das Arbeiten im „Homeoffice“, den Einsatz von Videokonferenzsystemen, die Durchführung von Kontaktdatenerfassung, die Durch- und Nachweisführung von Corona-Test und dergleichen. Der Sächsische Datenschutzbeauftragte widmete sich in seinem aktuellen Tätigkeitsbericht sowie Veröffentlichungen auf der Webseite ebenfalls an einigen Stellen dem Datenschutz in Zeiten der Coronavirus-Pandemie. Mit dem nachfolgenden Beitrag greifen wir – auch mit Blick auf die derzeit erneut steigenden Corona-Infektionszahlen – einige im Zusammenhang mit der in Sachsen aktuell geltenden Corona-Schutz-Verordnung (Sächsische Corona-Schutz-Verordnung – SächsCoronaSchVO) stehende datenschutzrechtliche Fragestellungen auf.


WELCHE DATEN WERDE BEI EINEM CORONA-TEST VERARBEITET?

Bei Covid-19 handelt es sich um eine meldepflichtige Krankheit im Sinne des § 6 Infektionsschutzgesetz (IfSG), vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 1 lit. t) IfSG. Sollte ein Arzt feststellen, dass der Patient daran erkrankt ist, hat er dies nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 IfSG an das zuständige Gesundheitsamt zu melden. Gleiches gilt für ein beauftragtes Labor gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 2 IfSG. Bei den entnommenen Proben handelt es sich nach Auffassung des Sächsischen Datenschutzbeauftragten erst dann um personenbezogene Daten i.S.v. Art. 4 Nr. 1 DS-GVO, wenn die Proben analysiert und den Patienten betreffende Informationen verarbeitet werden. Welche Daten bei der Feststellung einer Covid-19-Infektion zu melden sind folgen aus § 9 IfSG. Hierunter fallen u.a. Name und Vorname, Adresse sowie Kontaktdaten. Die Datenverarbeitung erfolgt in diesen Fällen gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. c) und e), Abs. 3 DS-GVO in Verbindung mit den einschlägigen Normen des IfSG. Soweit Gesundheitsdaten verarbeitet werden, so ist dies nach Art. 9 Abs. 2 lit. g) und i), Abs. 3 DS-GVO zulässig.


DÜRFEN GESUNDHEITSDATEN VON BESCHÄFTIGTEN VERARBEITET WERDEN?

Der konkrete Sachverhalt im Tätigkeitsbericht bezog sich auf die Abfrage von Gesundheitsdaten in Bezug auf chronische Vorerkrankungen von Beschäftigten und auch von Angehörigen, die mit ihnen im Haushalt zusammenleben, die auf ein Risiko einer Covid-19-Erkrankung hindeuten.

Personenbezogene Daten von Beschäftigten dürfen gemäß Art. 88 Abs. 1 DS-GVO in Verbindung mit § 26 Abs. 1 BDSG bzw. § 11 Abs. 1 Sächsisches Datenschutzdurchführungsgesetz (SächsDSG) verarbeitet werden, soweit dies zur Durchführung des Beschäftigten- bzw. Dienst- oder Arbeitsverhältnisses (oder zur Durchführung organisatorischer, personeller und sozialer Maßnahmen, insbesondere auch zu Zwecken der Personalplanung und des Personaleinsatzes erforderlich ist). Im Rahmen der Erforderlichkeitsprüfung sind die widerstreitenden Grundrechtspositionen zur Herstellung praktischer Konkordanz abzuwägen. Es sind dabei die Interessen des Arbeitgebers an der Datenverarbeitung und das Persönlichkeitsrecht des Beschäftigten zu einem Ausgleich zu bringen, so dass möglichst beide Interessen so weit wie möglich berücksichtigt werden. Erhebliche Zweifel bestehen daher bereits an pauschalen Abfragen seitens der Arbeitgeber beziehungsweise Dienstherren zu chronischen Vorerkrankungen der Beschäftigten.

Weiter führt die Aufsichtsbehörde aus, dass die Verarbeitung von Gesundheitsdaten mittels Einwilligung nach Art. 9 Abs. 2 lit. a) DS-GVO nur dann wirksam erteilt werden kann, wenn die betroffene Person in die Verarbeitung der Gesundheitsdaten für einen oder mehrere festgelegte Zwecke ausdrücklich eingewilligt hat und die Voraussetzungen von Art. 4 Nr. 11 und Art. 7 DS-GVO erfüllt, sind. Außerdem wird im Rahmen von Beschäftigtenverhältnissen häufig das Tatbestandmerkmal der Freiwilligkeit der Einwilligungserklärung in Frage zu stellen sein. Aufgrund der bestehenden Abhängigkeiten im Beschäftigungsverhältnis sind besondere Anforderungen im Hinblick auf die Beurteilung der Freiwilligkeit zu stellen. Dies gilt laut Sächsischer Aufsichtsbehörde insbesondere im Hinblick auf die Umstände, unter denen die Einwilligung erteilt worden ist und dass es sich um besonders sensible Daten (Gesundheitsdaten) handelt.


WELCHE DATEN DÜRFEN IM RAHMEN DER KONTAKTNACHVERFOLGUNG VERARBEITET WERDEN?

Mit den Allgemeinverfügungen zum Vollzug des Infektionsschutzgesetzes des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt wurden als Schutzmaßnahmen unter anderem Kontaktnachverfolgungen normiert. Ziel soll die Rückverfolgung von Infektionsketten sein. Mit dieser Maßnahme sollen dann die Infektionsketten unterbrochen und damit auch weitere Infektionen vermieden werden.  Ziel dieser Kontaktdatenerhebung ist der Gesundheitsschutz der Bevölkerung sowie der Beschäftigten. Diese Form der Datenverarbeitung ist gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. c), Abs. 3 DS-GVO i.V.m. § 32 i.V.m. § 28 Abs. 1 Satz 1 und 2 IfSG i.V.m. SächsCoronaSchVO und Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. f) DS-GVO gerechtfertigt.

In der aktuellen Fassung der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung bildet § 6a SächsCoronaSchVO die zentrale Regelung zur Art und Weise der Kontakteerfassung. Umfasst wird die Erfassung mittels digitaler Systeme (insbesondere die Corona-Warn-App). Zusätzlich ist eine analoge Form der Kontakterfassung (Name, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse und Anschrift) vorzusehen. Bei der Kontakteerfassung ist sicherzustellen, dass eine Kenntnisnahme der erfassten Daten durch Unbefugte ausgeschlossen ist. Die Daten dürfen nur zum Zweck der Aushändigung an die für die Kontaktnachverfolgung zuständigen Behörden verarbeitet werden und sind vier Wochen nach der Erhebung zu löschen.

In welchen konkreten Fällen die Kontakteerfassung erforderlich ist, regelt die Verordnung an verschiedenen Stellen: vgl. § 10 Abs. 2, § 11 Abs. 2, § 12 Abs. 2, § 13 Abs. 2, § 14 Abs. 2 SächsCoronaSchVO uvm.


WELCHE DOKUMENTATIONEN VERLANGT § 9 ABS. 1a SÄCHSCORONASCHVO?

Gemäß § 9 Abs. 1a SächsCoronaSchVO müssen Beschäftigte, die mindestens fünf Werktage hintereinander aufgrund von Urlaub und vergleichbaren Dienst- oder Arbeitsbefreiungen nicht gearbeitet haben, am ersten Arbeitstag nach dieser Arbeitsunterbrechung dem Arbeitgeber einen tagesaktuellen Test vorlegen oder im Verlauf des ersten Arbeitstages einen dokumentierten beaufsichtigten Test durchführen. Erfolgt die Arbeitsaufnahme im Homeoffice, gilt die Verpflichtung für den ersten Tag, an dem die Arbeit im Betrieb oder an sonstigen Einsatzorten außerhalb der eigenen Häuslichkeit stattfindet.

Für Arbeitgeber stellt sich hier die Frage in welchem Umfang sie zur Kontrolle und gegebenenfalls Dokumentation der Testpflicht angehalten sind. Der Sächsische Datenschutzbeauftragte geht in einer diesbezüglich veröffentlichten Mitteilung davon aus, dass die Ergebnisse der Tests oder Kontrollen ohne Personenbezug zu dokumentieren sind. „Stattdessen können Arbeitgeber lediglich dokumentieren, dass sie einen Prozess zur Durchführung derartiger Kontrollen eingeführt haben.“ Dies sei deshalb ausreichend, da in § 9 Abs. 1a SächsCoronaSchVO eine Vorlagepflicht der Beschäftigten, jedoch keine weitergehende Dokumentation des Arbeitgebers geregelt wird.


FAZIT

Einigen zentralen datenschutzrechtlichen Themen, welche im Zuge der Corona-Pandemie an Bedeutung erlangt haben, wird aufgrund der steigenden Fallzahlen demnächst wieder mehr Bedeutung zuzumessen sein. Dies betrifft mit Sicherheit die Nachweispflichten zu Impf-, Genesenen- und Teststatus (§§ 8, 9 SächsCoronaSchVO), insbesondere in Verbindung mit der Covid-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung (SchAusnahmV) zum Nachweis von Impfungen und Genesungen, welche gleichwohl digital als auch in verkörperter Form möglich sein sollen, §§ 2 Nr. 3, 5, 7 SchAusnahmV. Auch die Kontaktdatenerfassung sowie die Verarbeitung von Gesundheitsdaten der Beschäftigten wird wieder in den Vordergrund rutschen.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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ICH MÖCHTE EINE UMFRAGE MACHEN – UND NUN?

„Wie zufrieden sind Sie mit unserer Leistung?“ „Welche Partei würden Sie wählen, wenn heute Bundestagswahl wäre?“ „Wie hat sich Corona auch Ihre Psyche, Arbeit oder Ihr Privatleben ausgewirkt?“ Derartige Umfragen sind auch aus datenschutzrechtlicher Perspektive äußerst interessant. Der folgende Beitrag umreißt die datenschutzrechtlichen Anforderungen an derartigen Umfragen.


ICH WOLLTE DOCH NUR MAL FRAGEN…

Es gibt die verschiedensten Arten von Umfragen. Im Rahmen meiner Tätigkeit für Forschungseinrichtungen und Hochschulen ist die erste Aussage eigentlich immer: „Da haben wir kein Problem, alles anonym.“ Sieht man sich das Ganze dann genauer an, wird schnell das Gegenteil deutlich. Darüber hinaus gibt es viele Umfragen/Studien, die nur mit der Rückverfolgbarkeit zu einer konkreten Person ihr Ziel erreichen können.

Daher müssen Sie sich bei Planung einer Umfrage/Studie immer zuerst fragen, ob der Anwendungsbereich des Datenschutzes eröffnet ist und welche Anforderungen bestehen. Sehen Sie sich zunächst einmal Ziel und die Fragestellungen genau an. Geht es Ihnen darum, die Person – z.B. zur weiteren Klärung von Aussagen oder Problemen – zu kontaktieren? Gibt es weitere Datenverarbeitungen (z.B. klinische Studien, Gerätemessungen, Zusammenführung von Teilumfragen) mit denen die Antworten z.B. über eine Studien-ID in Verbindung gebracht werden müssen, ohne dass die Möglichkeit besteht, hierfür einen Code zu nutzen, der nur dem Befragten selbst bekannt ist? Werden möglicherweise durch die technische Umsetzung oder das eingesetzte Umfragetool personenbezogene Daten verarbeitet (z.B. Kontaktdaten zur Zusendung der Umfrage, IP-Adressen, Zuordnungsnummern zu Messtechniken)?

Häufig werden „Anonymität“ und „Pseudonymität“ fatalerweise gleichgesetzt. Aber nur, wenn tatsächlich kein Personenbezug gegeben ist, besteht auch kein Risiko für die befragten Personen und es bedarf nicht der Schutzmaßnahmen des Datenschutzes. „Anonym“ ist eine Umfrage dann, wenn durch die beteiligten Forscher, aber auch die beteiligten Einrichtungen insgesamt sowie gegebenenfalls Dritte keine Möglichkeit besteht, die Antworten zu einer Person zurückzuverfolgen. Auch die Rückverfolgbarkeit zu einer kleinen Gruppe (in der Regel drei bis fünf Personen) kann problematisch sein, da häufig nicht ausgeschlossen werden kann, dass Dritte über entsprechendes Zusatzwissen verfügen. Bei der Beurteilung der Anonymität einer Umfrage dürfen Sie daher die folgenden Blickrichtungen nicht aus den Augen verlieren:

(1) Direkte Erhebung personenbezogener Daten bzw. sonstiges Identifikationsmerkmal (z.B. Name, Personal- oder Matrikelnummer, Studien-ID etc.) im Rahmen der Einladung/Zusendung der Umfrage oder des Umfrageformulars sowie im Zusammenhang mit Anreizen (z.B. Bezahlung, Geschenk, Verlosung – grundsätzlich auf freiwilliger Basis),
(2) Rückverfolgbarkeit auf eine einzelne Person oder kleine Gruppe von Personen durch Zusammenführung verschiedener Fragen/Antworten (z.B. Geschlecht, Altersgruppe, Betriebszugehörigkeit, Einrichtung – Achtung auch bei Freitextfeldern!),
(3) Neben dem Umfrageteilnehmer gegebenenfalls personenbezogenes Befragungsthema, also z.B. Zufriedenheit mit dem Vorgesetzten bzw. der Geschäftsleitung, Meinung zu einer Veranstaltung/Vortrag und damit zum Dozierenden, Fragen zu Familienangehörigen,
(4) Erhebung technischer Daten, welche eine Rückverfolgbarkeit zulassen (z.B. IP-Adresse, Sensor-ID).

Auch wenn im Ergebnis keine Umsetzung datenschutzrechtlicher Anforderungen wie z.B. Informationspflichten erfolgen muss: Seien Sie gegenüber den Befragten transparent in dem, was Sie tun! Denken Sie immer daran, dass die erfolgreiche Durchführung einer Umfrage/Studie immer auch auf dem Vertrauen der Befragten beruht.


WELCHES UMFRAGETOOL IST FÜR MICH DAS RICHTIGE?

Auf dem Markt existieren diverse Umfragetools wie z.B. LamaPoll, SosciSurvey, QuestionStar, Easy Feedback, LimeSurvey, Blubbsoft, Zoho Survey sowie Google Forms. Natürlich gibt es noch viele andere Anbieter und der Auswahl und Reihenfolge ist keine Bewertung zu Leistung oder Datenschutzkonformität zu entnehmen. Welches Tool im konkreten Fall geeignet ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Was ist der Zweck der Umfrage (z.B. Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterbefragung z.B. zur Arbeitssicherheit oder Mobilität, Evaluation der Lehre, klinische oder wissenschaftliche Studie, sozialwissenschaftliche Umfrage) und wen will ich ansprechen (z.B. Kunden, Beschäftigte, anonyme Probanden, zufälliger Personenkreis)? Bestehen besondere Ansprüche hinsichtlich der Gestaltung, Durchführung oder Auswertung? Besteht über das Tool auch technisch die Möglichkeit der anonymen Befragung? Handelt es sich um eine einzelne Umfrage oder wird ein dauerhaftes Tool für verschiedene Umfragen benötigt? Verfüge ich über eine eigene, geeignete IT-Struktur oder wo soll die Datenspeicherung erfolgen (Empfehlung: Deutschland/Europa)? Wie hoch ist mein Budget? Auch wenn der Datenschutz bei der Auswahl oft nicht an erster Stelle steht: Stellen Sie vor Auswahl sicher, dass die Software geeignet ist, um die zu Ihrer Umfrage/Studie passenden Anforderungen, insbesondere Anonymität sowie technische und organisatorische Maßnahmen, zu erfüllen.


MEINE UMFRAGE IST DOCH NICHT ANONYM. WAS SOLL ICH TUN?

Zunächst einmal benötigen Sie eine Rechtsgrundlage. In den meisten Fällen werden Sie für die Datenerhebung im Zuge der Umfrage eine Einwilligung gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. a i.V.m. Art. 7 Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) benötigen, da Sie nur selten für die Durchführung eines Vertrags oder ein besonderes Interesse erforderlich sein dürfte. Unabhängig davon dürfte sich eine verpflichtende Umfrage i.d.R. auch auf die Qualität der Antworten niederschlagen. Werden die Umfragebögen bereits personenbezogen verteilt und beispielsweise nicht über einen Link an eine Funktions-E-Mail-Adresse beziehungsweise durch Auslage/Intranet, benötigen Sie darüber hinaus eine Rechtsgrundlage, um mit den gewünschten Umfrageteilnehmern in Kontakt treten zu dürfen. Hierfür kann neben einer Einwilligung auch ein bereits bestehender Vertrag gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b DS-GVO in Frage kommen. Aber Achtung: Der BGH hat in seinem Urteil vom 10. Juli 2018 (VI ZR 225/17) entschieden, dass es sich bei Kundenzufriedenheitsumfragen um Werbung handelt und die Anforderungen des § 7 UWG zu beachten sind. Es sind also unter Umständen auch angrenzende Rechtsgebiete zu berücksichtigen.

Vor Durchführung der Umfrage muss der gewünschte Teilnehmer über die Datenverarbeitung nach Art. 13, 14 DS-GVO informiert werden. Dies kann mit der gegebenenfalls erforderlichen Einwilligung verbunden werden und sollte bereits bei der ersten Ansprache z.B. per E-Mail oder Brief, im Rahmen des Umfrageformulars sowie gegebenenfalls im Zusammenspiel mit einer separaten Internetseite zur Datenschutzinformation erfolgen. Wichtig ist nur, dass die Information verständlich, möglichst transparent und vor der Datenerhebung erfolgt. Achten Sie dabei im Interesse der Teilnehmer bitte auch darauf, die Informationen nicht ganz unten auf das Formular bzw. auf die letzte Seite des Fragebogens vor dem „Abschicken“-Button zu packen.

Vor Erhebung und Verarbeitung der Daten muss sichergestellt werden, dass geeignete technische und organisatorische Maßnahmen getroffen wurden. Die Möglichkeiten der technischen Maßnahmen bestimmen sich in weiten Teilen danach, für welches Umfrage-Tool Sie sich entscheiden. Insoweit die Möglichkeit besteht, dass der Anbieter des Umfragetools auf die (personenbezogenen) Daten zugreifen kann, bedarf es des Abschlusses eines Vertrags zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DS-GVO. Hierbei ist frühzeitig der Datenschutzbeauftragte Ihrer Einrichtung einzubeziehen.

In Hinblick auf die organisatorischen Maßnahmen ist insbesondere sicherzustellen, dass der Kreis der zugriffsberechtigten Personen möglichst klein bleibt und mit den datenschutzrechtlichen Anforderungen – insbesondere der Vertraulichkeit im Umgang mit personenbezogenen Daten – vertraut ist. Kontaktdaten für die Umfrageverteilung beziehungsweise im Rahmen versprochener Anreize sind möglichst frühzeitig von den Umfragedaten zu trennen. Auch darüber hinaus ist die frühestmögliche Anonymisierung beziehungsweise Pseudonymisierung der Daten zu berücksichtigen. Alle Umfragedaten sind zu löschen, sobald diese nicht mehr für die Durchführung der Umfrage inklusive Auswertung benötigt werden und keine Aufbewahrungspflichten o.ä. bestehen. Eine Veröffentlichung ist in der Regel nur in Bezug auf aggregierte Daten ohne Personenbezug zulässig.

Zumindest wenn Umfragetools dauerhaft eingesetzt werden oder es sich nicht nur um eine einmalige/kurzzeitige Umfrage handelt, sollte eine Prozessbeschreibung in das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten gemäß Art. 30 Abs. 1 DS-GVO aufgenommen werden. Und ganz wichtig: Beziehen Sie Ihren Datenschutzbeauftragten frühzeitig ein! Von diesem können Sie wertvolle Tipps zur Gestaltung Ihrer Umfrage und der erforderlichen Dokumente erhalten.

Über die Autorin: Kristin Beyer ist Wirtschaftsjuristin und als externe Datenschutzbeauftragte beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Sie unterstützt in Ihrem Fachbereich insbesondere Hoch-/Schulen, sonstige Bildungseinrichtungen sowie Forschungseinrichtungen in allen Fragen des Datenschutzes.

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BETRIEBSRÄTEMODERNISIERUNGSGESETZ

Der Blick soll im heutigen Beitrag auf das – zumindest – sprachlich etwas holprig daherkommende Gesetz zur Förderung der Betriebsratswahlen und der Betriebsratsarbeit in der digitalen Arbeitswelt, kurz: das Betriebsrätemodernisierungsgesetz, drehen. Der Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ist auf der Seite des Bundestages abrufbar. Das Gesetz wurde nunmehr am 21.05.2021 vom Bundestag verabschiedet, der Bundesrat erteilte am 28.05.2021 seine Zustimmung.


WELCHES ZIEL VERFOLGT DAS GESETZ?

Das Gesetz verfolgt vorrangig die Stärkung der Arbeit der Betriebsräte und soll eine Vereinfachung von Betriebsratswahlen herbeiführen. Ausweislich der Entwurfsbegründung sollen u.a. für die Teilnahme an Betriebsratssitzungen mittels Video- oder Telefonkonferenz für die Betriebsratsarbeit sachgerechte und dauerhafte Regelung geschaffen werden, die zugleich einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung der Betriebsratsarbeit leisten. Auf Grund der Vergleichbarkeit der Regelungsmaterie soll die dauerhafte Möglichkeit der Nutzung virtueller Sitzungsformate auch für die Personalvertretungen auf Bundesebene geschaffen werden.

Daneben soll auch die datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit nach der Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung) bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch den Betriebsrat gesetzlich klargestellt werden. Hierauf soll im Folgenden näher eingegangen werden:


WELCHE DATENSCHUTZRECHTLICHE REGELUNG WIRD GETROFFEN?

Der Gesetzgeber beabsichtigt zur Klarstellung der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit des Arbeitgebers bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch den Betriebsrat eine gesetzliche Regelung zu schaffen. Konkret wird der folgende § 79a Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) eingeführt:

§ 79a
(Datenschutz)

Bei der Verarbeitung personenbezogener Daten hat der Betriebsrat die Vorschriften über den Datenschutz einzuhalten. Soweit der Betriebsrat zur Erfüllung der in seiner Zuständigkeit liegenden Aufgaben personenbezogene Daten verarbeitet, ist der Arbeitgeber der für die Verarbeitung Verantwortliche im Sinne der datenschutzrechtlichen Vorschriften. Arbeitgeber und Betriebsrat unterstützen sich gegenseitig bei der Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorschriften.


WIRD FÜR RECHTSKLARHEIT GESORGT?

Zunächst erfolgt mit § 79a Satz 1 BetrVG eine eher klarstellende Regelung. So nimmt der Gesetzgeber den Betriebsrat dergestalt in die Pflicht, dass dieser bei der Verarbeitung personenbezogener Daten die Vorschriften über den Datenschutz einzuhalten hat. Aus der Entwurfsbegründung lässt sich entnehmen, dass die Verarbeitung personenbezogener, mitunter sensibler Beschäftigtendaten zum Kernbereich der Aufgabenerfüllung der Betriebsräte zählt. Ihnen kommt daher eine besondere Verantwortung für die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorschriften zu. Aufgrund der sich aus der DS-GVO ergebenden Verpflichtung zur Einhaltung der Grundsätze zur Datenverarbeitung, insbesondere aus Art. 5 DS-GVO, dient der Satz 1 zur Klarstellung der Verpflichtungen seitens des Betriebsrates.

Ferner macht der Gesetzgeber mit der Regelung des § 79a Satz 2 BetrVG von der Öffnungsklausel des Art. 4 Nr. 7 Halbsatz 2 DS-GVO Gebrauch. Diesbezüglich führt die Entwurfsbegründung an, dass die datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit des Arbeitgebers für die Verarbeitung personenbezogener Daten durch den Betriebsrat sachgerecht ist, weil der Betriebsrat lediglich organisationsintern, jedoch keine nach außen rechtlich verselbständigter Institution ist. Bei der Verarbeitung personenbezogener Daten agieren die Betriebsräte als institutionell unselbständiger Teil des für die Einhaltung des Datenschutzes verantwortlichen Arbeitgebers. Ferner soll die Regelung die bislang bestehende, seit dem Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung) jedoch umstrittene Rechtslage fortführen und der Schaffung von Rechtsklarheit dienen. Durch die Regelung wird also der Versuch unternommen, die Verantwortlichkeit für Datenverarbeitungen, welche im Rahmen der Betriebsratsarbeit durchgeführt werden, dem Arbeitgeber zu unterstellen. Die Schaffung von Rechtsklarheit zielt hier im Wesentlichen auf den anhalten Streit um die Frage, ob Mitarbeitervertretungen wie beispielsweise der Betriebsrat als eigenständige Verantwortliche anzusehen oder eben als Teil des verantwortlichen Arbeitgebers einzustufen sind.

Kritisch über den Gesetzesentwurf äußerte sich bereits die Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit e.V. in ihrer Stellungnahme vom 11. Februar 2021.

Ausweislich der Begründung des Gesetzesentwurfs zu § 79a BetrVG besteht keine Pflicht seitens des Betriebsrates ein eigenes Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten gemäß Art. 30 DS-GVO zu führen. Gleichzeitig ergeht der Hinweis, dass das Verarbeitungsverzeichnis des Arbeitgebers gleichermaßen die Verarbeitungstätigkeiten des Betriebsrates enthalten muss. Dies wirft mit Sicherheit in der Praxis Fragen dergestalt auf, wie der Verantwortliche in Fällen des mangelnden Informationsflusses zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber beispielsweise aufgrund angespannter Verhältnisse, die gemäß Art. 30 DS-GVO erforderlichen Informationen beibringen kann.

Ähnliches dürfte bei der Erfüllung der Betroffenenrechte aus dem Kapitel III der DS-GVO – hier hebt die Entwurfsbegründung explizit das Auskunftsrecht (Art. 15 DS-GVO) hervor – sowie, ohne dass in der Entwurfsbegründung näher darauf eingegangen wird, die Behandlung von Datenschutzverletzungen und damit einhergehenden Melde- und Informationspflichten der Art. 33 und Art. 34 DS-GVO gelten. In diesen Fällen ist der Arbeitgeber unbestreitbar auf Mit- bzw. Zuarbeit des Betriebsrates angewiesen, wenn sich die geltend gemachten Rechte bzw. die eingetretenen Datenschutzverletzungen auf durch den Betriebsrat verarbeitete personenbezogene Daten beziehen. Dies gilt nicht zuletzt vor den gesetzlich normierten Fristen zur Bearbeitung.  

Im Gegensatz zu den oben genannten Konstellationen führt die Entwurfsbegründung anschließend jedoch aus, dass der Betriebsrat innerhalb seines Zuständigkeitsbereichs eigenverantwortlich die Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Gewährleistung der Datensicherheit im Sinne der Art. 24 und 32 DS-GVO sicherzustellen hat. Im Gegensatz stehen diese Ausführungen deshalb, da Art. 24 und Art. 32 DS-GVO – ebenso wie Art. 30 und Art. 15 DS-GVO – den Verantwortlichen, also gemäß den eingangs geschilderten Regelungen den Arbeitgeber und gerade nicht den Betriebsrat, verpflichten. Diese unterschiedliche Begründungshaltung verwundert doch zunächst.

Fraglich bleibt bei diesem nicht stringenten Begründungsverhalten weiterhin, wie beispielsweise im Rahmen von Schadenersatzansprüchen durch Betroffene gemäß Art. 82 DS-GVO oder Bußgeldsanktionierungen durch die Aufsichtsbehörde gemäß Art. 83 DS-GVO zu verfahren ist.

In der Vergangenheit wurde bereits in Thüringen für die Personalvertretung in § 80 Thüringer Personalvertretungsgesetz (ThürPersVG) eine „vergleichbare“ Regelung erlassen. Diese sieht vor, dass der Personalrat einen Datenschutzbeauftragten zu bestellen habe. Insofern man die entsprechenden europäischen Grundlagen der Art. 37 Abs. 1 DS-GVO bzw. Art. 37 Abs. 4 DS-GVO in Verbindung mit § 38 BDSG heranzieht, wird deutlich, dass grundsätzlich der Verantwortliche bzw. der Auftragsverarbeiter zur Benennung verpflichtet sind.


FAZIT

Der neueinzuführende § 79a BetrVG kann definitiv als Möglichkeit zur Regelung der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat einzustufen sein. Offenbleiben muss jedoch, ob hiermit auch die vom Gesetzgeber angestrebte Rechtssicherheit bzw. -klarheit herbeigeführt werden kann.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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NEUES ZUM TTDSG

Über einen im August des vergangenen Jahres geleakten Entwurf zum Telekommunikations-Telemedien-Datenschutzgesetz (TTDSG) haben wir bereits früher berichtet. Seitdem hat die Entwicklung des TTDSG an Fahrt aufgenommen. Die Details:


WAS IST BISHER GESCHEHEN?

Im Januar dieses Jahres hat zunächst das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einen Referentenentwurf zum „Entwurf eines Gesetzes über den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre in der Telekommunikation und bei Telemedien sowie zur Änderung des Telemediengesetzes“ vorgelegt. Gleichzeitig wurde am 12. Januar das Anhörungsverfahren der Verbände eingeleitet. Bis zum Stichtag am 22. Januar sind 31 Stellungnahmen, u.a. des Branchenverbandes bitkom, des Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) e.V., des Rundfunkdatenschutzbeauftragten, der Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen und der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen eingegangen. Am 10. Februar 2021 hat das Bundeskabinett sodann den „Entwurf eines Gesetzes über den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre in der Telekommunikation und bei Telemedien (Telekommunikations-Telemedien-Datenschutz-Gesetzes – TTDSG)“ beschlossen. Hierbei drängt sich bereits die Frage auf, ob dieser verhältnismäßig kurze Zeitraum ausreichend war, um die entsprechenden Stellungnahmen gebührend Beachtung zu schenken. Die Stellungnahme des Bundesrates folgte nach einer Beratung am 26. März 2021.


WAS IST DAS TTDSG?

Das TTDSG soll laut Gesetzesentwurf in aller erster Linie für Rechtklarheit sorgen und bestehende Rechtsunsicherheiten durch das Nebeneinander von DS-GVO, Telemediengesetz (TMG) und Telekommunikationsgesetz (TKG) bei Verbrauchern, die Telemedien und Telekommunikationsdienste nutzen, bei Anbietern von diesen Diensten und bei den Aufsichtsbehörden beseitigen. Gewährleistet werden soll ein wirksamer Datenschutz sowie der Schutz der Privatsphäre der Endnutzer.

Das TTDSG führt die Datenschutzbestimmungen des TMG und des TKG, einschließlich der Bestimmungen zum Schutz des Fernmeldegeheimnisses, zusammen und versucht eine Anpassung der der Bestimmungen an die der DS-GVO sowie der Richtlinie 2002/58/EG, der sogenannten ePrivacy-Richtlinie.

Systematisch besteht das TTDSG aus vier Teilen: Allgemeine Vorschriften; Datenschutz und Schutz der Privatsphäre in der Telekommunikation, Telemediendatenschutz, Endeinrichtungen; Straf- und Bußgeldvorschriften und Aufsicht. Ersichtlich wird hierdurch, dass – neben dem „allgemeinen Datenschutzrecht“ aus der DS-GVO – auf nationaler Ebene weiterhin an der bisherigen sektorspezifischen Unterscheidung zwischen Datenschutz in Telemedien und Datenschutz in der Telekommunikation festgehalten wird, wohingegen es auf europäischer Ebene bei der klassischen Zweiteilung von DS-GVO und „ePrivacy-Recht“ als spezielles Datenschutzrecht verbleibt.


WAS SOLL SICH NUN ÄNDERN?

Berücksichtigung findet im TTDSG die aktuelle Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) im Hinblick auf den Schutz der Privatsphäre beim Speichern und Auslesen von Informationen auf Endeinrichtungen, insbesondere Cookies. In Bezug genommen wird hier die Entscheidung des EuGH in der Rechtssache Planet 49 (EuGH, Urt. v. 01.10.2019 – C-673/17). Hierzu wird eine Regelung in das Gesetz aufgenommen, die sich eng am Wortlaut der ePrivacy-Richtlinie orientiert.

Zudem soll die Aufsicht über die Datenschutzbestimmungen des TKG bei der geschäftsmäßigen Erbringung von Telekommunikationsdiensten zukünftig umfassend, d. h. auch im Hinblick auf die Verhängung von Bußgeldern, durch den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) als unabhängiger Datenschutzaufsichtsbehörde erfolgen.


WELCHE REGELUNGEN VERDIENEN BESONDERE AUFMERKSAMKEIT?

Zunächst enthält § 2 Abs. 1 TTDSG-E Begriffsbestimmungen, welche an die Bestimmungen von TMG, TKG und DS-GVO anknüpfen. In § 2 Abs. 2 TTDSG-E sollen darüber hinaus Bestimmungen der ePrivacy-Richtline aufgenommen werden.

§ 2 Abs. 2 Nr. 6 TTDSG-E einhält dabei die Legaldefinition der Endeinrichtung. Hierunter ist „jede direkt oder indirekt an die Schnittstelle eines öffentlichen Telekommunikationsnetzes angeschlossene Einrichtung zum Aussenden, Verarbeiten oder Empfangen von Nachrichten […]“ zu verstehen. Gewählt wird hier wohl bewusst eine technologieneutrale Formulierung und somit ein weiter Anwendungsbereich. Erfasst ist nicht nur die Telefonie oder die Internetkommunikation, sondern auch Gegenstände im Internet der Dinge.  

In § 3 TTDSG-E (Vertraulichkeit der Kommunikation – Fernmeldegeheimnis) sollen die derzeit in § 88 TKG enthaltenen Regelungen zum Fernmeldegeheimnis – bis auf redaktionelle Anpassungen – unverändert übernommen werden. Die Verpflichteten werden in § 3 Abs. 2 TTDSG-E aufgeführt. Kritische Stimmen zweifeln jedoch an einer Vereinbarkeit des Anwendungsbereiches des § 3 Abs. 2 Nr. 2 TTDSG-E mit der Öffnungsklausel des Art. 95 DS-GVO für öffentlich zugänglicher elektronischer Kommunikationsdienste in öffentlichen Kommunikationsnetzen. Abzuwarten bleibt daher, ob der bekannte Streit über die Privatnutzung betrieblicher Informations- und Kommunikationstechnik durch die Mitarbeiter und der damit einhergehenden Frage nach der Wahrung des Fernmeldegeheimnisses durch den Arbeitgeber tatsächlich gelöst werden kann.

§ 19 Abs. 2 TTDSG-E (Technische und organisatorische Vorkehrungen) enthält darüber hinaus die Verpflichtung von Anbietern von Telemedien die Nutzung anonym oder unter Pseudonymen zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist.

§ 24 Abs. 1 TTDSG-E (Schutz der Privatsphäre bei Endeinrichtungen) setzt nunmehr für das Speichern oder den Zugriff – also bspw. das Auslesen – von Endgeräteinformationen die Pflicht zur klaren und umfassenden Information sowie die Abgabe einer Einwilligung des Endnutzers voraus. Die Regelung orientiert sich laut Gesetzesbegründung eng am Wortlaut des Art. 5 Abs. 3 ePrivacy-RL. Abgestellt wird auf die Endgeräteinformationen, weshalb gerade kein Personenbezug erforderlich ist. Erfasst werden mithin Cookies, Fingerprints und vergleichbare Technologien. Die Einwilligung des Endnutzers muss dabei den Anforderungen der DS-GVO an die Einwilligung entsprechen.

Ausnahmen vom Einwilligungserfordernis werden durch § 24 Abs. 2 TTDSG-E für die Fälle vorgesehen, dass der alleinige Zweck der Speicherung oder des Zugriffs in der Endeinrichtung des Endnutzers die Durchführung der Übertragung einer Nachricht über ein öffentliches Kommunikationsnetz ist (Nr. 1) oder die Speicherung oder der Zugriff auf die Informationen unbedingt erforderlich ist, damit der Anbieter eines Telemediendienstes einem vom Nutzer ausdrücklich gewünschten Telemediendienst zur Verfügung stellen kann (Nr. 2). Unberührt bleibt die Frage der Rechtmäßigkeit der an die Speicherung oder den Zugriff anschließenden Verarbeitung personenbezogener Daten.


FAZIT

Der Entwicklungsprozess des TTDSG-E schreitet sichtlich voran. Viele derzeitig vorgesehene Regelungen haben das Potenzial das Wirrwarr im Datenschutz für Telekommunikation und Telemedien etwas zu entzerren. Nicht absehbar ist, wann das TTDSG tatsächlich verabschiedet werden soll. Entsprechenden Einfluss dürfte hier ebenfalls die anstehende Bundestagswahl ausüben. Welche Normen letztendlich in das TTDSG aufgenommen werden, bleibt abzuwarten.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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KOPIEN VON AUSWEISDOKUMENTEN

In zahlreichen Fällen des praktischen Lebens kommt es vor, dass Ausweisdokumente – an vorderster Front natürlich der Personalausweis, dicht gefolgt von dem Reisepass oder Führerschein – aus Nachweisgründen vorgezeigt werden müssen. Doch häufig werden diese darüber hinaus auch kopiert/gescannt und gespeichert/aufbewahrt. Nicht selten wird der Ausweis dafür mit in ein „Hinterzimmer“ genommen und ist aus unserem Blickfeld verschwunden. Und wer hat nicht bereits seinen Ausweis als Pfand hinterlegt oder auf einen Stapel an der Rezeption des Hotels zu Gunsten eines schnelleren Check-Ins gelegt? Gleichzeitig ist der Umgang mit Ausweisdokumenten seit Jahrzehnten ein häufiger Gegenstand von Beschwerden bei den Aufsichtsbehörden und Gerichten.


WO LIEGT DAS PROBLEM?

Zunächst einmal befinden sich auf einem Ausweis viele Informationen zu der betreffenden Person, welche in den meisten Fällen für den Zweck der Identitätsfeststellung nicht benötigt werden. Darüber hinaus können Kopien durch Identitätsbetrüger genutzt werden. Entsprechend wurde in der Vergangenheit (bis Anfang 2011) von Aufsichtsbehörden, BMI und Rechtsprechung davon ausgegangen, dass das Kopieren und Scannen von Personalausweisen grundsätzlich verboten sei. Dies wurde insbesondere auch auf die damaligen Regeln des Personalausweisgesetzes (PAuswG) gestützt. Ausnahmen sollten nur im Rahmen ausdrücklicher gesetzlicher Erlaubnistatbestände gelten. Die herrschende Meinung hat sich aber zwischenzeitlich dahingehend verändert, dass eine Kopie unter Berücksichtigung des neuen § 20 PAuswG sowie unter Einhaltung strenger datenschutzrechtlicher Vorschriften zulässig sei. Entsprechende Vorschriften finden sich auch im § 18 Passgesetz (PassG) z.B. in Bezug auf Reisepässe.

Zweck der Erstellung einer Kopie in der Praxis soll regelmäßig der Nachweis der Identitätsfeststellung sein. Eine Verwendung der Kopie über die Identifizierung hinaus ist jedoch unzulässig. Entsprechend ist eine Kopie unverzüglich zu löschen, sobald diese nicht mehr erforderlich ist („Speicherbegrenzung“). Dies ist grundsätzlich nach Feststellung der erforderlichen Angaben der Fall, insoweit keine spezialgesetzlichen Aufbewahrungsfristen bestehen. Für spätere Nachweiszwecke reicht in der Regel ein entsprechender Vermerk der Kontrolle sowie gegebenenfalls die Notiz der entsprechenden Daten des Ausweises.

Die Erstellung der Kopie muss im konkreten Fall erforderlich sein. Das heißt, es bedarf immer der Prüfung im Einzelfall, ob es mildere Mittel gibt, welche ebenfalls zum Erreichen des Zwecks geeignet wären. Davon ausgehend bedarf es in vielen Fällen des Alltags eigentlich keiner Kopie, sondern es wäre ausreichend, die Prüfung des Ausweises mittels eines Vermerks zu notieren. Ist eine Kopie hingegen erforderlich, muss diese jederzeit als solche erkennbar sein. Nicht erforderliche Daten sind – entsprechend dem Grundsatz der Datenminimierung – zu schwärzen. (z.B. Zugangs- und Seriennummer, Prüfziffer, Augenfarbe- und Körpergröße, Foto). Der Betroffene kann dies grundsätzlich im Vorfeld der Übermittlung der Kopie bereits tun. Die Betroffenen sollten im Rahmen der Informationspflichten auf diese Möglichkeit hingewiesen werden. Gleichzeitig sollten die erforderlichen Angaben durch die erhebende Stelle benannt werden. Gemäß § 20 PAuswG darf eine Kopie nur mit Zustimmung des Ausweisinhabers erfolgen und eine Übermittlung an Dritte ist nur durch diesen selbst zulässig.

Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen bereits gesetzlich eine Kopie geboten ist. Im vorliegenden sollen einige praxisrelevante Fälle – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – dargestellt werden. Bereichsspezifische Regelungen finden sich darüber hinaus z.B. im Telekommunikationsgesetz (TKG) für Diensteanbieter.


FALLBEISPIEL 1: DATENSCHUTZRECHTLICHES AUSKUNFTSERSUCHEN

Will ein Betroffener von seinem Auskunftsanspruch nach Art. 15 DS-GVO Gebrauch machen, muss der Verantwortliche sicherstellen, dass es sich bei dem Anfragenden tatsächlich um die betroffene Person handelt und keine Daten an einen unbefugten Dritten herausgegeben werden. Bei Zweifeln kann die Anforderung einer Ausweiskopie gerechtfertigt sein. Diese ist nach der Prüfung und einem entsprechenden Vermerk zu vernichten.


FALLBEISPIEL 2: VERTRAGSPARTNER

Außerhalb von „Massengeschäften“ kann es im Einzelfall erforderlich sein, die Identität des Vertragspartners mittels Ausweisdokument sicherzustellen (z.B. Mietvertrag, Reklamation). Eine Kopie ist hier jedoch in der Regel nicht zulässig, vielmehr reicht es aus, die erforderlichen Daten zu notieren. Bei der Verleihung eines Gegenstandes sind dies beispielsweise der vollständige Name und die Adresse, sowie gegebenenfalls die Gültigkeitsdauer des Dokuments bei Darlegung der Erforderlichkeit. Hinsichtlich der Einholung von Selbstauskünften bei Mietinteressen berücksichtigen Sie bitte auch die entsprechende Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz.


FALLBEISPIEL 3: GELDWÄSCHEGESETZ

Ein praktischer Anwendungsfall ist das POST-IDENT-Verfahren der Deutschen Post AG, welches z.B. häufig im Rahmen von digitalen Kontoeröffnungen genutzt wird. Doch neben Banken gehören z.B. auch Treuhänder, Immobilienmakler, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater zu dem umfangreichen Katalog der „Verpflichteten“ gemäß § 2 Abs. 1 Geldwäschegesetz (GwG). Diese müssen für die Begründung einer Geschäftsbeziehung ihren Vertragspartner durch Erfassung umfangreicher Daten identifizieren. Gemäß § 8 Abs. 2 Satz 2 GwG kann diese Aufzeichnungspflicht auch durch eine Vorlage des Ausweises erfolgen. Dabei haben die Verpflichteten das Recht und die Pflicht, eine vollständige Kopie des Ausweises anzufertigen oder diesen vollständig optisch digitalisiert zu erfassen. Die Aufbewahrungsfrist ergibt sich aus § 8 Abs. 4 GwG und beträgt in der Regel zwischen 5 und 10 Jahren.


FALLBEISPIEL 4: FUHRPARK

Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass die Autos nur an zuverlässige Fahrer herausgegeben werden. Dies ergibt sich aus der Halterhaftung nach § 21 Straßenverkehrsordnung (StVO). Hierfür ist regelmäßig (in der Regel mindestens zweimal jährlich) der Führerschein zu kontrollieren. Bei der Ersterfassung können die erforderlichen Daten erfasst werden. Dies kann – abhängig vom Einzelfall – folgende Daten umfassen: Name und Anschrift des Fahrers, Führerscheinnummer, Fahrzeugklassen, Ausstellungsdatum, -ort und Ausstellungsbehörde, Beschränkungen, Gültigkeit des Führerscheins, Datum der Erstkontrolle und Unterschrift. Bei späteren Kontrollen genügt der Vermerk, dass ein gültiger Führerschein vorgezeigt wurde sowie gegebenenfalls eine Notiz der von der Ersterfassung zwischenzeitlich abweichenden Daten. Eine Kopie des Ausweises dürfte hingegen seitens der Aufsichtsbehörden als nicht erforderlich und unzulässig bewertet werden, auch wenn dies von entsprechenden Diensteanbietern häufig anders suggeriert wird.


FALLBEISPIEL 5: GÄSTEHÄUSER

Bei der Beherbergung von Personen, z.B. im Rahmen von eigenen Gästehäusern oder Wohnheimen großer Einrichtungen, sind die Anforderungen des Bundesmeldegesetzes (BMG) zu berücksichtigen. Die gemäß § 29 Abs. 2 BMG erforderlichen Angaben müssen in einem Meldeschein dokumentiert werden. Es besteht jedoch keine Prüfpflicht durch Vorlage von Ausweisdokumenten und erst recht keine Rechtsgrundlage zur Anfertigung einer Kopie. Etwas anderes gilt für ausländische Personen. Diese müssen gemäß § 29 Abs. 3 BMG ein gültiges Identitätsdokument (Pass oder Passersatz) vorzeigen. Eine Kopie ist hingegen nicht zulässig.

Hinweis: Weitere Fallbeispiele können Sie der Broschüre des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit von Nordrhein-Westfalen von Juli 2019 entnehmen.


ACHTUNG BEIM SCANNEN UND BEI DER ANNAHME ALS PFAND

Eine automatisierte Speicherung der Kopie wie dies beim Scannen der Fall ist, birgt weitere Risiken, da die Möglichkeiten der Weiterverarbeitung noch erhöht sind. Hier ist in der Regel von einer Unzulässigkeit nach § 20 PAuswG auszugehen (vgl. VG Hannover, Urt. v. 28. November 2013, Az. 10 A 5342/11). Dies gilt grundsätzlich auch, wenn das Einscannen durch den Inhaber des Ausweises selbst erfolgt. Eine Alternative ist der „Elektronische Identitätsnachweis“ nach § 18 PAuswG. Hierfür wird ein entsprechendes Zertifikat nach § 21 PAuswG benötigt. Die Vergabe erfolgt durch das Bundesverwaltungsamt. Hier wird bereits technisch sichergestellt, dass grundsätzlich nur erforderliche Daten übermittelt werden und ist insoweit – auch im Vergleich zur Ausweiskopie – zu bevorzugen.

Auch die Annahme des Personalausweises als Pfand ist unzulässig. Gemäß § 1 Abs. 1 PAuswG besteht ein sog. „Hinterlegungsverbot“.

Über die Autorin: Kristin Beyer ist als externe Datenschutzbeauftragte beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Sie unterstützt in Ihrem Fachbereich insbesondere Hoch-/Schulen, sonstige Bildungseinrichtungen sowie Forschungseinrichtungen in allen Fragen des Datenschutzes.

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