RANSOMWARE-ANGRIFF: WAS NUN?

In seinem aktuelle Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland 2021 legt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die aktuelle Gefährdungslage der IT-Sicherheit in Deutschland dar. Laut BSI ist die IT-Sicherheitslage in Deutschland insgesamt angespannt bis kritisch. Ein Auslöser ist die Ausweitung der bekannten cyberkriminellen Lösegelderpressungen hin zu ergänzenden Schweigegeld- und Schutzgelderpressungen. Außerdem wurde eine Beschleunigung der Produktion neuer Schadsoftware-Varianten im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum festgestellt werden. In einem früheren Beitrag haben wir bereits über Schadsoftware und die unterschiedlichen Wirkungen berichtet. Wir unterscheiden bei der Schadsoftware zwischen zwei Komponenten: dem Übertragungsmechanismus (z.B. Virus, Wurm, Trojaner) und der Schadfunktion (z.B. Spyware, Adware, Scareware, Bot-Netze, Ransomware, Crypto-Miner usw.). Der nachfolgende Beitrag soll den Blick auf die Bedrohungen durch Ransomware werfen, da der Einsatz heutzutage eine sehr gängige Methode geworden ist und sich die Bedrohungslage durch Ransomware in den letzten Jahren deutlich verschärft hat. Dies tritt insbesondere durch eine Reihe der Öffentlichkeit kommunizierter Fälle hervor. Zu nennen sind hier etwa der Angriff auf die Stadtverwaltung Dettelbach oder das Staatstheater Stuttgart.


WAS IST RANSOMWARE?

Nach der Veröffentlichung des BSI „Ransomware – Bedrohungslage, Prävention & Reaktion 2021“ verstehen wir hierunter Schadprogramme, die den Zugriff auf Daten und Systeme einschränken oder verhindern und eine Freigabe der betroffenen Ressourcen nur gegen Lösegeld erfolgt. Erfolgt der Einsatz von Ransomware wird der betroffene Nutzer demnach bedroht, dass seine Daten gelöscht werden bzw. bereits gelöscht und vorher vorgeblich als Backup ins Netz kopiert oder verschlüsselt und so unzugänglich gemacht wurden. Die Angreifer geben anschließend vor, dass gegen die Zahlung eines Geldbetrages, häufig in Bitcoin zu entrichten, die Daten entschlüsselt bzw. zurückgespielt werden. Eine weitere Variante der Ransomware-Angriffe besteht darin, dass die Täter Daten vom betroffenen System ins Internet übertragen und die Opfer damit bedrohen, dass die Daten veröffentlich würden, wenn die Lösegeldsumme nicht gezahlt wird. Es handelt sich bei Ransomware mithin um einen Angriff auf das Sicherheitsziel der Verfügbarkeit von Informationen bzw. Daten. Zu den gebräuchlichsten Angriffsvektoren zählen Spam, Drive-By Infektionen mittels Exploit-Kits, Schwachstellen in Servern und ungeschützte Fernzugänge. Für die Opfer ist der wesentliche Unterschied gegenüber einer Betroffenheit mit klassischer Schadsoftware, dass der Schaden unmittelbar eintritt und ganz konkrete Konsequenzen hat.


WELCHE MAßNAHMEN KÖNNEN PRÄVENTIV GETROFFEN WERDEN?

Um eine bestmögliche Schutzsphäre vor Ransomware-Angriffen aufbauen zu können, kommen einige präventive Maßnahmen in Betracht, die eine Infektion mit der Schadsoftware verhindern sollen oder auch das Schadensausmaß begrenzen können. Das BSI hat diesbezüglich ebenfalls ein Arbeitspapier in Form eines Maßnahmenkataloges veröffentlicht, in welchem eine Übersicht über mögliche Schutzmaßnahmen vor Ransomware auf Basis der Erfahrungen bei der Fallbearbeitung gewonnen wurde. Zu den gelisteten Maßnahmen zählen insbesondere die unverzügliche Installation von Softwareupdates nach deren Bereitstellung durch den jeweiligen Softwarehersteller; die Deinstallation nicht benötigter Software, um die Angriffsfläche zu minimieren; die client- sowie serverseitige Behandlung von E-Mails hinsichtlich Darstellung, Konfiguration (bspw. Deaktivierung von Makros); Freigabe nur notwendiger Dienste und Ports; Nutzung von Spamfiltern usw.); Nutzung zentraler Datensicherungen und Minimierung lokaler Speicherung von Daten; Netzwerksegmentierung; Sicherung von Remote-Zugängen; Nutzung eines aktuellen Virenschutzes; Umsetzung eines Back-up/Datensicherungskonzeptes; Durchführung von Mitarbeitersensibilisierungen und Schulungen zur Steigerung von Awareness; Schwachstellenscans sowie Penetrationstests und vieles mehr.  


WELCHE MAßNAHMEN SIND REAKTIV ZU TREFFEN?

Sollte es trotz der getroffenen Präventionsmaßnahmen zu einem Sicherheitsvorfall mit Ransomware kommen, gilt es zum einem mit Bedacht zu handeln und zum anderen eine Reihe von reaktiven Maßnahmen in Betracht zu ziehen. Zunächst stellt sich die Frage nach dem Umgang mit den Lösegeldforderungen. Das BSI rät hier nachdrücklich dazu angemessen vorzusorgen, im Schadensfall auf die Vorbereitungen zurückzugreifen und nicht zu zahlen. Jede erfolgreiche Erpressung zeigt den Erfolg und motiviert die Angreifer mit ihrem Vorgehen weiterzumachen. Weiterhin kann die Zahlung der Lösegeldsumme zur Finanzierung der Weiterentwicklung und Verbreitung der Schadsoftware genutzt werden.  Es gibt insoweit keine Sicherheit für die Opfer, dass die Angreifer nach Vornahme der Zahlung tatsächlich die Daten lösche oder zurückspielen. Wichtiger Punkt ist zudem die Erstattung einer polizeilichen Strafanzeige. Das BSI empfiehlt weiterhin im Rahmen des Incident Response zur Begrenzung des möglichen Schadens die infizierten Systeme zunächst umgehend vom Netz zu trennen. Am schnellsten geht dies durch die Trennung des Netzwerkkabel vom Computer und die Abschaltung etwaiger WLAN-Adapter. Bei der Identifikation der betroffenen Systeme helfen Logdaten, anhand derer bspw. Zugriffe auf Netzwerklaufwerke erkannt werden können. Daneben bedarf es der Entscheidung, ob eine forensische Untersuchung durchgeführt werden soll. Sicherungen von Zwischenspeicher und Festplatten sollten durch einen fachkundigen Mitarbeiter oder Dienstleister sinnvollerweise vor weiteren Reparaturversuchen oder Neustarts der betroffenen Systeme unternommen werden. Bevor mit der Datenwiederherstellung begonnen wird, ist eine Neuinstallation des infizierten Systems erforderlich. Unter Umständen bedarf es des Rückgriffs auf externe Expertise durch einen fachkundigen Dienstleister.

Darüber hinaus ist eine Auseinandersetzung mit geltenden Verpflichtungen des IT-Sicherheitsrechtes hinsichtlich gesetzlicher Melde- und Informationspflichten an die zuständigen Behörden erforderlich. Ransomware-Vorfälle können eine Meldepflicht bei der zuständigen Datenschutz-Aufsichtsbehörde auslösen. Über das Bestehen der Meldepflicht nach Art. 33 DS-GVO bei IT-Sicherheitsvorfällen haben wir bereits berichtet. Eine Meldepflicht gemäß Art. 33 DS-GVO liegt dann vor, wenn ein Verantwortlicher die Verletzung des Schutzes der von ihm verantworteten personenbezogenen Daten feststellt. Wann eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten vorliegt, wird in Art. 4 Nr. 12 DS-GVO legaldefiniert und setzt eine Verletzung der Sicherheit voraus. Erforderlich bei der Behandlung von IT-Sicherheitsvorfällen im Rahmen von Art. 33 DS-GVO ist stets eine exakte Betrachtung und Bewertung des Vorfalls. Für datenschutzrechtlich Verantwortliche ist demnach die Aufklärung, Dokumentation und Beweissicherung von möglichen Datenschutzverletzungen bei IT-Sicherheitsvorfällen unverzichtbar. Die im Januar 2022 aktualisierte Richtlinie 01/2021 des Europäischen Datenschutzausschuss (EDSA) „on Examples regarding Personal Data Breach Notification“ enthält unter Ziff. 2 ebenfalls Ausführungen hinsichtlich der Betroffenheit von Ransomware-Vorfällen. In vier verschiedenen Fällen stellt der EDSA die unterschiedliche Handhabung von Ransomware-Angriffen hinsichtlich des Bestehens einer Dokumentationspflicht gemäß Art. 33 Abs. 5 DS-GVO gegenüber dem Vorliegen von Melde- und Informationspflichten nach Art. 33 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 1 DS-GVO. Entscheidend für die Differenzierung ist u.a., ob Datenverlust eingetreten ist, ob die Daten unbefugten Dritten zugänglich gemacht wurden und ob es zu einer unbefugten/unbeabsichtigten Datenänderung gekommen ist. Hiernach ist in die Betrachtung einzubeziehen, ob die Daten vor Abfluss verschlüsselt waren – z-B- im Fall von Datenspeichern – und den Angreifern die notwendige Kenntnis zur Entschlüsselung fehlt, ob die – möglichst vollständigen – Protokollierungen tatsächlich einen Datenabfluss verzeichnen, ob ein vollständiges und funktionierendes Back-up vorliegt, welche Zeitspanne zwischen Bekanntwerden des Angriffs und Trennung der betroffenen Systeme vergangen ist (Abschottung und Verinselung von IT-Systemen, sofern ohne Einbußen an Funktionalität möglich) und welche Auswirkungen auf den konkreten Betrieb der Systeme festgestellt werden können. Neben der Meldepflicht gemäß Art. 33 DS-GVO können weitere – teilweise sektorspezifische Melde- und Informationspflichten – einschlägig sein. Hinzuweisen ist vor allem auf die Meldepflichten nach § 8b Abs. 4 BSI-Gesetz (BSIG) für Betreiber kritischer Infrastrukturen oder nach § 168 Telekommunikationsgesetz für Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze oder Anbieter öffentlich zugänglicher Telekommunikationsdienste. Bedeutung erlangen zudem insbesondere § 11 Abs. 1c Energiewirtschaftsgesetz, § 44b Atomgesetz, § 329 Sozialgesetzbuch V, § 8c Abs. 3 BSIG oder länderspezifisch die §§ 15 – 17 Sächsisches Informationssicherheitsgesetz.


FAZIT

Einen vollständigen Schutz vor Ransomware-Angriffen wird es nicht geben können. Zu dynamisch ist die Fortentwicklung von Angriffsvektoren und -zielen. Organisationen ist daher anzuraten die seitens des BSI empfohlenen präventiven Maßnahmen zu berücksichtigen und bestmöglich umzusetzen. Sollte es dennoch zu einem Sicherheitsvorfall kommen, empfiehlt sich schnellstmögliches Handeln, um die Auswirkungen abschwächen zu können. Hierfür ist ein funktionierendes Incident Response System unerlässlich.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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SCHADSOFTWARE

Schadsoftware oder oftmals auch „Malware“ (malicious software – bösartiges Programm) genannt, dient dem Ziel, Endgeräte zu infizieren, unerwünschte Operationen auszuführen und die jeweilige betroffene Person dadurch zu schädigen. Man kennt Schadsoftware auch unter den Begriffen „Virus“, „Wurm“ oder „Trojaner“. Doch wo liegen die Unterschiede? Welche weiteren Arten von Schadsoftware gibt es noch? Wie kann ich gegebenenfalls erkennen, dass ein Endgerät mit Schadsoftware befallen ist und wie schütze ich mich bestmöglich davor? Diese Fragen soll der nachfolgende Beitrag klären.


WELCHE ARTEN VON SCHADSOFTWARE GIBT ES?

Je nach Art und Weise des Befalls sowie der Wirkungsweise von Schadsoftware, kann diese in unterschiedliche Kategorien unterteilt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bestimmte Schadsoftwares Bestandteile oder Wirkungsweisen vieler verschiedener Kategorien aufweisen können. Eine trennscharfe Abgrenzung ist meist nicht möglich. Dennoch ist es wichtig, die verschiedenen Arten und Wirkungsweisen zu kennen. Die eigene Sensibilisierung zu diesem Thema hilft, Bedrohungen durch Schadsoftware frühzeitig zu erkennen und den Befall der Endgeräte möglichst zu vermeiden.

Virus: Oft als Oberbegriff für sämtliche Schadsoftwares verwendet, umfasst diese Kategorie Schadsoftware, welche sich unter Zuhilfenahme von Dateien („Wirtsdatei“) ausbreitet. Bei einer Nutzung der Datei wird unbemerkt die Schadsoftware mit ausgeführt.

Wurm: Ein Wurm verfolgt das Ziel der weitestmöglichen Ausbreitung: Nach dem Befall eines Endgerätes erfolgt die eigenständige Ausbreitung auf weitere Geräte. Folgen können die Installation weiterer Schadsoftware oder die gezielte Überlastung von Endgeräten und Netzwerken sein.

Trojaner: Ähnlich wie das bekannte trojanische Pferd, tarnt sich der Trojaner zunächst als nützliches Werkzeug. Einmal installiert, ist der Trojaner in der Lage eigenständig weitere Schadsoftware zu installieren.

Ransomware: Diese Art der Schadsoftware verschlüsselt die gesamte Festplatte des Endgerätes und verlangt zur Entschlüsselung ein Lösegeld. Auf die Lösegeldforderung sollte grundsätzlich nicht eingegangen werden.

Spyware: Hierdurch werden schützenswerte Informationen über ein Gerät, Netzwerk oder eine Person, einschließlich Anmeldeinformationen und Finanzdaten, gesammelt und an Kriminelle übermittelt.

Adware: Mittels Adware werden durch Werbeanzeigen für den Entwickler Einnahmen generiert. Dies erfolgt in der Regel durch kostenlose Spiele oder Browsererweiterungen. Auch wenn die Auswirkungen zunächst harmlos erscheinen, können hierdurch dennoch zur Personalisierung der Werbeanzeigen persönliche Daten des Betroffenen gesammelt werden.

Scareware: „Wir haben auf Ihrem Gerät mehrere kritische Fehler entdeckt!“ Kennen Sie derartige Anzeigen aus dem Internet? Dabei handelt es sich um sogenannte Scareware. Dem Betroffenen wird durch Erzeugung eines Angstzustandes zur Installation einer „Reparatursoftware“ verleitet. Das perfide daran: Der Betroffene installiert hierbei nun regelmäßig die eigentliche Schadsoftware eigenständig.

Botnet: Mittels eines Botnets können eine Vielzahl von Endgeräten (einschließlich der smarten Waschmaschine) missbraucht werden, um koordiniert andere Netzwerke zu überlasten oder lahmzulegen. Auch wenn es sich bei einem Botnet selbst um keine Schadsoftware handelt, macht der Befall des Gerätes mit Schadsoftware einen solchen Missbrauch und gezielten Angriff erst möglich.


WIE KANN EINE INFIZIERUNG ERFOLGEN?

Endgeräte können über verschiedene Einfallsvektoren von Schadsoftware befallen werden. Dabei ist es grundsätzlich unerheblich, um welchen Gerätetyp es sich handelt oder welches Betriebssystem auf dem jeweiligen Gerät installiert ist: Kein Endgerät ist immun gegen Schadsoftware.

Oftmals gelangt Schadsoftware über einen E-Mail-Anhang auf das Endgerät. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine ausführbare Datei (z.B. .exe) handeln. Auch in gängigen Dokumenten- (z.B. .txt, .doc, .xls, .pdf) oder Bilddateien (z.B. .jpg, .png) kann Schadsoftware enthalten sein. Das kurze Öffnen einer solchen Datei kann dann bereits ausreichen, um das jeweilige Endgerät zu befallen. Auch per SMS oder E-Mail versandte Links stellen eine potenzielle Gefahr dar. Durch Aufruf der jeweiligen Internetseite kann Schadsoftware auf das Endgerät installiert werden. Oftmals nehmen die Betroffenen die Installation der jeweiligen Schadsoftware auch eigenständig vor, ohne zu wissen, dass es sich dabei um Schadsoftware handelt.

Auch Neugierde kann eine Infektion mit Schadsoftware begünstigen: Wie eine Studie der Universitäten von Illinois und Michigan zeigt, schlossen knapp die Hälfte der Finder von auf dem Campus-Gelände platzierten USB-Sticks an ihrem Endgerät an. Darauf installierte Schadsoftware hätte die Endgeräte ohne Weiteres befallen können. Dieser Weg zur Verbreitung von Schadsoftware ist gar nicht unüblich. Aus diesem Grund sollten insbesondere im Unternehmenskontext auch keine Speichermedien als Werbegeschenke angenommen werden. Sollte sich eine Nutzung fremder USB-Sticks nicht vermeiden lassen, ist zuvor zumindest eine Untersuchung des USB-Sticks durch die IT-Abteilung vorzunehmen.


WIE KANN ICH ERKENNEN, DASS MEINE ENDGERÄTE VON SCHADSOFTWARE BEFALLEN SIND?

Grundsätzlich sind die meisten Kategorien von Schadsoftware dergestalt konzipiert, dass Betroffene meist nicht oder erst sehr spät bemerken, dass ihre Endgeräte von Schadsoftware befallen sind. Anzeichen können dabei sein, dass unbekannte E-Mails im eigenen Namen versandt werden, Endgeräte ungewöhnliches Verhalten zeigen (z.B. nur sehr langsam oder stark verzögert reagieren), ohne erkennbaren Grund deutlich weniger Arbeits- oder Festplattenspeicher zur Verfügung steht oder sich regelmäßig unerwünschte Fenster oder Programme öffnen. Da es keine bestimmten Anzeichen gibt, die verlässlich auf den Befall mit Schadsoftware hinweisen, sollten Endgeräte regelmäßig mittels sogenannter „Antivirenprogrammen“ überprüft werden. Aber auch hierbei besteht keine absolute Gewissheit, dass die Schadsoftware auch erkannt wird. Aus diesem Grund sollten Maßnahmen ergriffen werden, welche bereits die Gefahr des Befalls mit Schadsoftware deutlich minimieren können.

Sollten Sie im beruflichen Kontext den Befall mit Schadsoftware feststellen oder eine entsprechende Vermutung bestehen, sollten Sie sich unverzüglich an Ihre IT-Abteilung wenden und gegebenenfalls die Datenschutz- und IT- bzw. Informationssicherheitsbeauftragten informieren. Maßnahmen, welche Sie bei einem Verdacht im privaten Umfeld ergreifen sollten, hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auf seiner Internetseite zusammengefasst.


WIE SCHÜTZE ICH MICH BESTMÖGLICH VOR SCHADSOFTWARE?

Da die alleinige Verwendung von Antivirenprogrammen oder Firewalls bei weitem nicht ausreicht, um dem Befall mit Schadsoftware im genügenden Umfang entgegenzutreten, empfiehlt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weitere Maßnahmen zu ergreifen:

– Um gegebenenfalls bestehende Sicherheitslücken zu schließen, sollten durch den Hersteller / Anbieter bereitgestellte Updates zeitnah installiert werden. Derartige Updates – und Softwares im Allgemeinen – sollten grundsätzlich jedoch ausschließlich von vertraulichen Quellen bezogen werden.

– Verwenden Sie Benutzerkonten mit reduzierten Rechten. Zur Installation von Schadsoftware und einem systemweiten Zugriff auf die Daten, benötigen Schadsoftwares in der Regel Administratorrechte. Eine Trennung zwischen einem Administratorkonto zur Verwaltung des Endgerätes sowie eines Nutzerkontos zur alltäglichen Verwendung des Endgerätes, hilft das Risiko eines Befalls zu minimieren.

– Legen Sie regelmäßig Backups wichtiger Daten, Ordner oder ganzer Festplattenpartitionen an. Sollte Ihr Endgerät von Schadsoftware befallen oder im schlimmsten Fall durch Verschlüsselung zunächst unbrauchbar gemacht worden sein, können Sie diese durch ein aktuelles Backup wiederherstellen.

– Öffnen Sie Anhänge und Links aus E-Mails mit Bedacht. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine E-Mail eines unerwarteten Absenders und / oder um einen unerwarteten Anhang bzw. Link handelt. Auch eine vermeintliche E-Mail Ihres Chefs kann sich im Nachgang als Betrugsversuch herausstellen (sogenannter „CEO-Fraud“).


FAZIT

Der Beitrag zeigt die unterschiedlichen Formen von Schadsoftware. Dabei wird deutlich, dass durch die unterschiedlichen Arten und Wirkungsweisen von Schadsoftware ein allumfassender Schutz nie möglich sein wird. Durch Zuhilfenahme von Antivirenprogrammen und der Vornahme weiterer Schutzmaßnahmen kann das Risiko eines Befalls jedoch erheblich reduziert werden. Hierzu gehört jedoch auch, dass sich alle Nutzer regelmäßig über mögliche Risiken informieren und ihre Endgeräte nicht nur sensibilisiert nutzen, sondern auch entsprechend technisch absichern.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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AUSWIRKUNGEN DER §§ 327 ff. BGB AUF DATENSCHUTZ UND IT-SICHERHEIT

Mit Wirkung zum 1. Januar 2022 wird das deutsche Schuldrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) grundlegend reformiert. Es handelt sich um die größte Gesetzesänderung seit der Schuldrechtsmodernisierung 2001. Die Änderungen betreffen unter anderem die verbraucherschützenden Regelungen der §§ 327 ff. BGB. Darüber hinaus erfolgen Neuerungen im Kauf-, im Verbrauchsgüterkauf-, im Schenkungs-, im Miet- und Werkvertragsrecht. Der Beitrag zeigt vorrangig einige Auswirkungen der §§ 327 ff. BGB auf die Bereiche des Datenschutzes und der IT-Sicherheit.


WORUM GEHT ES?

Durch die Richtlinien (EU) 2019/770 vom 20. Mai 2019 (Digitale-Inhalte-Richtlinie, kurz: DIRL) und (EU) 2019/771 (Warenkaufrichtlinie) sowie dem damit verbundenen nationalen Umsetzungsgesetz erfolgt ab dem 1. Januar 2022 eine weitreichende Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches, zum einen hinsichtlich des Verbraucherschutzrechtes bei Verträgen über die Bereitstellung digitaler Inhalte und digitaler Dienstleistungen und zum anderen bezüglich des Kaufs von Sachen mit digitalen Elementen. Die neuen Regelungen enthalten unter anderem Änderungen des Mangelbegriffs im Zivilrecht, eine Updateverpflichtung für Unternehmen und eine verlängerte Frist für die Beweislastumkehr. Adressat der Regelungen sind alle Unternehmen, die digitale Inhalte, digitale Dienstleistungen oder Waren mit digitalen Elementen bereitstellen. Zentralen Vertragsgegenstand der §§ 327 ff. BGB bilden die sogenannten „digitalen Produkte“, welche nach der Legaldefinition des § 327 Abs. 1 Satz 1 BGB digitale Inhalte und digitale Dienstleistungen erfassen. Vom Anwendungsbereich umfasst werden gemäß Erwägungsgrund 19 DIRL u.a. Computerprogramme, Anwendungen, Video-, Audio- und Musikdateien, digitale Spiele, elektronische Bücher und Publikationen. Beispiele für digitale Dienstleistungen sind Software-as-a-Service, wie die gemeinsame Nutzung von Video- und Audioinhalten und andere Formen des Datei-Hosting, Textverarbeitung oder Spie-le, in einer Cloud-Computing-Umgebung und in sozialen Medien.


WELCHEN HINTERGRUND HABEN DIE GESETZLICHEN NEUREGELUNGEN?

Durch die stetig voranschreitende Digitalisierung kommt es zu einer immer größeren Durchdringung nahezu sämtlicher Lebensbereiche mit Informations- und Kommunikationstechnik. Die Nutzung digitaler Inhalte und digitaler Dienstleistungen ist deshalb aus dem Verbraucheralltag nicht mehr wegzudenken.  Digitalisierung und Vernetzung bringen jedoch zugleich neue Risiken – beispielsweise durch Sicherheitslücken – mit sich. Trotz dieses Schutzbedürfnisses einerseits und der rasanten technischen Entwicklung anderseits waren Regelungen zu vertraglichen Aspekten über die Bereitstellung digitaler Produkte bisher rar gesät. Vorrangiges Ziel der Gesetzesänderung ist daher die Schaffung von Rechtssicherheit für den Verbrauchersektor.


WELCHE AUSWIRKUNGEN BRINGT DIE GESETZESÄNDERUNG FÜR DEN DATENSCHUTZ?

Besonders offensichtlich tritt der datenschutzrechtliche Bezug in § 327 Abs. 3 BGB hervor. Der Anwendungsbereich der §§ 327 ff. BGB erfasst grundsätzlich zwar nur Verträge, die die Zahlung eines Preises zum Gegenstand haben. Entgeltlichen Verträgen werden jedoch gemäß § 327 Abs. 3 BGB solche Verträge gleichgestellt „[…] bei denen der Verbraucher dem Unternehmer personenbezogene Daten bereitstellt oder sich zu deren Bereitstellung verpflichtet […]“. Der Begriff der personenbezogenen Daten ist hierbei ausweislich der Gesetzesbegründung gleich der Begriffsbestimmung in Art. 4 Nr. 1 Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) zu verstehen. Damit ist nunmehr ein „Bezahlen mit Daten“ im dem Sinne erfasst, dass Verbraucher:innen dem Unternehmen personenbezogene Daten überlassen, die weder zur Vertragserfüllung noch aufgrund rechtlicher Verpflichtungen verarbeitet werden müssen. Gleichwohl kommt damit nicht zum Ausdruck, dass jede Datenangabe durch die Verbraucher:innen beziehungsweise jede Datenerhebung durch Unternehmen einen vertrag begründet. Angesichts zahlreicher „kostenfreier“ Dienste stellt dies eine besonders wichtige Neuregelung dar.

Ebenfalls kann das Datenschutzrecht im Rahmen der Mangelhaftigkeit zum Tragen kommen. Dies lässt sich insbesondere anhand von Erwägungsgrund 48 DIRL nachvollziehen: Erfolgt hier eine ausdrückliche Bezugnahme auf wesentliche Grundsätze der DS-GVO wie Datenminimierung, Datenschutz durch Technik und datenschutzfreundliche Voreinstellungen sowie die Klarstellung, dass bei Nichteinhaltung dieser Grundsätze je nach Umständen des Einzelfalls, dies als fehelende Übereinstimmung mit den subjektiven oder objektiven Anforderungen an die Vertragsmäßigkeit betrachtet werden kann.

Von datenschutzrechtlicher Relevanz ist zudem die Regelung des § 327q Abs. 1 BGB. Hier wird das Verhältnis zwischen der Ausübung datenschutzrechtlicher Betroffenenrechte beziehungsweise Abgabe datenschutzrechtlicher Erklärungen einerseits und der Bestand des Vertragsverhältnisses andererseits in den Blick genommen: „Die Ausübung von datenschutzrechtlichen Betroffenenrechten und die Abgabe datenschutzrechtlicher Erklärungen des Verbrauchers nach Vertragsschluss lassen die Wirksamkeit des Vertrags unberührt.“ Konsequenter Weise zur Erreichung einer Stärkung des Verbraucherschutzes zeigt die Ausübung von Betroffenenrechten kaum Auswirkungen auf die vertragliche Position der Verbraucher:innen. Allein nach § 327q Abs. 2 BGB bei der Ausübung eines Widerrufes oder Widerspruchs kann ein Sonderkündigungsrecht im Rahmen von Dauerschuldverhältnissen seitens der Unternehmer ergeben.


WELCHE ROLLE SPIELT IT-SICHERHEIT BEI DIGITALEN PRODUKTEN?

Im Zuge der gesetzlichen Neuregelung erfolgt in § 327e Abs. 3 Nr. 2 BGB die Normierung eines Sicherheitsbegriffs. Gleichwohl ist dieser Begriff wegen eines fehlenden Bezugs zu informationstechnischen Systemen und Prozessen auslegungsbedürftig. Dies führt bei genauer Auseinandersetzung jedoch zu einigen Schwierigkeiten. In der Gesetzgebung sowie der technischen Normung und Standardisierung und der damit verbundenen Anwendungspraxis erfolgt keine einheitliche Begriffsführung von IT-Sicherheit. Insbesondere aber eine unionsrechtskonforme Auslegung gebietet jedoch Sicherheit in § 327e Abs. 3 Nr. 2 BGB als „security“ und damit im deutschen Sprachgebrauch als IT-Sicherheit zu verstehen. Auch in den Erwägungsgründen der Digitale-Inhalte-Richtlinie – hier insbesondere Erwägungsgrund 48 DIRL – finden sich Anknüpfungspunkte für Bezugnahme zur IT-Sicherheit, beispielsweise Anfälligkeit von Produkten für Schad- und Spähsoftware.

Durch die wesentliche Änderung des Mangelbegriffs erfolgt zudem eine weitgehende Gleichstellung zwischen subjektiven und objektiven Beschaffenheitsanforderungen, weshalb digitale Produkte zukünftig einen Mindeststandard an IT-Sicherheit aufweisen müssen. Problematisch gestaltet sich hierbei allerdings mit Blick auf den Wortlaut des § 327e Abs. 3 Nr. 2 BGB („Das digitale Produkt entspricht den objektiven Anforderungen, wenn es eine Beschaffenheit, einschließlich der […] der Sicherheit aufweist, die bei digitalen Produkten derselben Art üblich ist und die der Verbraucher unter Berücksichtigung der Art des digitalen Produkts erwarten kann […]“) die Frage, was mangels einheitlicher europäischer Standards unter üblich und erwartbaren Sicherheitsanforderungen zu verstehen sein wird.

Flankiert werden die oben genannten Anforderungen durch die in § 327f BGB normierte Aktualisierungspflicht, welche ausweislich des eindeutigen Wortlautes auch Sicherheitsaktualisierungen zu den erforderlichen Updates zählt. Auf diese Art und Weise soll dem Verbraucher für einen angemessenen Zeitraum der Erhalt der Vertragsmäßigkeit des digitalen Produktes durch den Unternehmer sichergestellt werden. Dies kann zu einer nachhaltigen Steigerung der IT-Sicherheit digitaler Produkte führen.

Nicht außer Acht gelassen werden darf in diesem Zusammenhang schließlich § 327h BGB, welcher die Möglichkeit eröffnet, durch individuelle Vereinbarung von den objektiven Beschaffenheitsvereinbarungen, so gesehen den Sicherheitsanforderungen und Aktualisierungspflichten, unter bestimmten Voraussetzungen durch individuelle Vereinbarung abzuweichen.


FAZIT

Es bleibt daher festzuhalten, dass durch die gesetzlichen Neuregelungen der §§ 327 ff. BGB auch eine verbraucherschützende Regulierung zur Sicherheit informationstechnischer Systeme erfolgt. Darüber hinaus finden sich Regelungen mit datenschutzrechtlichem Bezug, welche die bereit gängige Praxis entsprechend widerspiegeln. Dennoch dürften mit den neuen Regelungen vom Start weg zahlreiche Rechtsunsicherheiten verbunden sein.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

TERMINHINWEIS: DATENSCHUTZSPRECHSTUNDE

Auch das neue Jahr wollen wir nutzen, um möglichst viele Personen für die Themen Datenschutz und Informationssicherheit begeistern zu können, wichtige Anforderungen zu erläutern und praxistaugliche Umsetzungsmöglichkeiten abzubilden. Da wir uns insbesondere im Rahmen der datenschutzrechtlichen Beratung oft mit Irrtümern und Fehlvorstellungen konfrontiert sehen, wollen wir in unserem neuen Format, der Datenschutzsprechstunde, regelmäßig für alle Interessierten eine Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion bieten. Die nächste Sprechstunde findet am 08. Februar 2022 in der Zeit von 11:00 Uhr bis 12:00 Uhr statt. Zur Anmeldung.

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DIE MENSCHLICHE FIREWALL – DER NUTZER ALS SICHERHEITSRISIKO?

Mit Blick auf die Gefährdungslage der IT-Sicherheit ist für die letzten Jahre sowohl im privaten als auch im betrieblichen Umfeld ein stetiger Anstieg von Bedrohungsszenarien zu verzeichnen. Auch wenn Angreifer für Cyberangriffe zunehmend auf Schadprogramme zurückgreifen, kann durch den alleinigen Einsatz von Antiviren-Softwares kein umfassender Schutz gewährleistet werden. Zunehmend wird der Nutzer zur entscheidenden Sicherheitsbarriere. Hierbei ergeben sich sowohl Chancen als auch Risiken.


DER NUTZER ALS SICHERHEITSRISIKO?

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie und der damit einhergehenden Dezentralisierung der betrieblichen IT-Infrastrukturen durch die Verlagerung der Arbeitstätigkeiten ins „Homeoffice“ ergeben sich für Cyberkriminelle zunehmend neue Angriffsmöglichkeiten. An dieser Stelle besonders hervorzuheben ist das sogenannte „Social Engineering“, welches nach wie vor eines der beliebtesten Werkzeuge zur Verwirklichung krimineller Absichten darstellt. Zudem zielt es auf das vermeintlich schwächste Glied in der IT-Sicherheit ab: den Nutzer.

Dem „Faktor Mensch“ sind im Rahmen der IT-Sicherheit zwei wesentliche Aufgaben zuzuschreiben: Einerseits proaktiv mögliche Bedrohungslagen und potenzielle Gefährdungen für die IT-Sicherheit zu erkennen und andererseits reaktiv auf derartige Ereignisse angemessen zu reagieren, um bereits eingetretene Schäden zu minimieren. Besonders entscheidend ist an dieser Stelle das Bewusstsein der Nutzer über sowie die Einhaltung von definierten internen Meldeprozessen im Hinblick auf die gesetzlichen Melde- und Benachrichtigungspflichten, beispielsweise gemäß Art. 33 und Art. 34 Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO).

Unterstützung können hierbei etwaige Sicherheitsrichtlinien, Anweisungen oder verschriftlichte Prozesse schaffen, welche sowohl das Verständnis als auch die Sensibilität hinsichtlich (potenzieller) Bedrohungslagen fördern. Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass getroffene Vorkehrungen und Regelungen auf ein gewisses Maß an Akzeptanz seitens der Nutzer stoßen.


SENSIBILISIERUNG IST DER SCHLÜSSEL

Ein wesentliches Element stellt hierbei die Sensibilisierung einzelner Nutzer und Nutzergruppen dar. Dies geht beispielsweise auch aus dem Baustein „ORP.3: Sensibilisierung und Schulung zur Informationssicherheit“ des BSI IT-Grundschutzes hervor. Bereits im Rahmen des Onboardings ist sicherzustellen, dass die Nutzer mit den grundlegenden Anforderungen und Richtlinien vertraut gemacht werden. Ergänzend hierzu sollten zeitnah weitere Sensibilisierungsmaßnahmen durchgeführt werden, um die Thematik gegenwärtig und präsent zu halten. Im weiteren Verlaufe können zu aktuellen oder besonders sensiblen Schwerpunkten weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Von entscheidender Bedeutung ist es dabei, ein gutes Maß an Sensibilisierungsmaßnahmen zu finden. Während eine unzureichende Sensibilisierung die Wirksamkeit der übrigen getroffenen technischen und organisatorischen Maßnahmen erheblich abschwächt, kann eine Übersensibilisierung aufgrund der Informationsfülle ebenfalls zu einer Abschwächung des Schutzniveaus führen. Abhilfe kann insbesondere ein Sensibilisierungskonzept schaffen, welches dabei insbesondere aktuelle Bedrohungsszenarien und die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Organisation berücksichtigt. Mittels eines solchen Konzeptes lässt sich zudem unter Zuweisung von Verantwortlichkeiten ein zeitlich und inhaltlich koordiniertes Awareness-Management dokumentiert nachweisen.

Zu berücksichtigen ist in jedem Falle, dass es auch mit einer einmaligen Durchführung von Sensibilisierungsmaßnahmen nicht getan ist, sondern diese regelmäßig wiederholt werden sollten. Die stetige Berücksichtigung aktueller Bedrohungsszenarien und Angriffsmodelle vermeidet dabei repetitive Inhalte.

Eine umfassende Darstellung der sich ergebenden Sicherheitsrisiken sowie Umsetzungsmöglichkeiten für Sensibilisierungsmaßnahmen können Sie unserem Beitrag „Die menschliche Firewall – Der Nutzer als Sicherheitsrisiko?“ entnehmen, welcher in der Ausgabe Nr. 06/2021 des DATENSCHUTZ-BERATER erschienen ist. Den Beitrag können Sie in der digitalen Fassung hier abrufen.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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DAS PROBLEM MIT DEM PHISHING

Vor dem Hintergrund des durch die Corona-Pandemie bedingten Anstiegs der im „Home-Office“ tätigen Beschäftigten ist es nahezu denklogisch, dass ebenfalls eine drastische Zunahme von sogenannten Phishing-E-Mails zu verzeichnen ist.

Dem neuen KnowBe4 Phishing-Report ist dabei zu entnehmen, dass zu den aktuellen Themen (Untersuchung von echten Phishing-E-Mail-Betreffzeilen aus der Praxis) u.a. folgende Themen gehören:  „IT: Jährliche Bestandsaufnahme der Geräte“, „Twitter: Sicherheitswarnung: Neuer oder ungewöhnlicher Twitter-Login“, „Amazon: Aktion erforderlich | Ihre Amazon Prime-Mitgliedschaft wurde abgelehnt“, „Zoom: Fehler bei geplanter Besprechung“, „Google Pay: Bezahlung gesendet“, „Microsoft 365: Aktion erforderlich: Aktualisieren Sie die Adresse für Ihren Xbox Game Pass für Konsolen-Abonnement“, „Arbeitstag: Erinnerung: Wichtiges Sicherheitsupgrade erforderlich“.

Daneben beobachtet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) insbesondere Phishing-E-Mails zu Themen Änderungen von Datenschutzbestimmungen (bspw. PayPal), Teilnahmen an Gewinnspielen, Sicherheitsüberprüfungen (z.B. von Bank- und Kreditinstituten) sowie Aktualisierung von Nutzerdaten.

Was ein Phishing-Angriff ist, wie ein solcher erkannt werden kann und wie man sich bei einer Reaktion auf eine Phishing-E-Mail verhalten muss, soll im folgenden Beitrag näher beleuchtet werden.


WAS IST EIGENTLICH PHISHING?

Phishing ist eine Form des Social Engineerings, einer Methode, um unberechtigten Zugang zu Informationen oder IT-Systemen durch soziale Handlungen zu erlangen. Beim Social Engineering werden menschliche Eigenschaften wie z. B. Hilfsbereitschaft, Vertrauen, Angst oder Respekt vor Autorität ausgenutzt. Dadurch können Beschäftigte so manipuliert werden, dass sie unzulässig handeln.

Phishing (ein Kunstwort aus „Password“ und „Fishing“) beschreibt das Vorgehen, insbesondere über gefälschte Unternehmenswebseiten und E-Mails die Zugangsdaten, Bankdaten oder andere vertrauliche Informationen von Benutzern zu erlangen und damit einen Identitätsdiebstahl zu begehen. Grundlegend kann zwischen zwei Varianten von Phishing-E-Mails unterschieden werden:

Zum einen kann eine Phishing-E-Mail einen Link enthalten. Dieser führt zumeist auf einen täuschend ähnlichen Nachbau der Internetseite eines Dienstleisters. Auf diesem soll der Benutzer dann vertrauliche Informationen eintragen. Die hierbei eingegebenen Daten werden abgefangen und für die Zwecke der Betrüger missbraucht.

Zum anderen kann eine Phishing-E-Mail einen Anhang enthalten, der beispielsweise als angebliche Rechnung oder gar Mahnung getarnt ist. Öffnet der Empfänger den Anhang wird darin enthaltene Malware auf dem Endgerät des Nutzers übertragen. Diese Schadsoftware kann dann beispielsweise dafür sorgen, dass ein Zugriff auf einzelne Dokumente oder auf den gesamten Rechner nicht mehr möglich ist oder sämtliche Tastatur- und Bildschirmeingaben an unbefugte Dritte übermittelt werden.

Häufig verbreiten sich Phishing-E-Mails als Spam-E-Mails und erreichen somit unzählige Empfänger. Bei dem sogenannten Spear-Phishing richtet sich der Angriff gezielt gegen bestimmte Organisationen. Diese E-Mails sind oft mit hohem Aufwand auf einen bestimmten Empfänger zugeschnitten.


WORAN ERKENNE ICH EINE PHISHING-E-MAIL?

Auch wenn die meisten Phishing-E-Mails täuschend echt aussehen, können sich diese in den meisten Fällen anhand von einigen der folgenden Merkmale als solche identifizieren lassen:

Allgemeine Anrede: Viele Phishing-E-Mails beginnen mit einer allgemeinen Anrede, wie zum Beispiel „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder „Sehr geehrter Kunde, sehr geehrte Kundin“. Unternehmen, bei denen Sie tatsächlich Kunde sind, werden Sie meist persönlich ansprechen. Diesen Schwachpunkt haben jedoch auch die Verfasser derartiger E-Mails entdeckt: Sie enthalten nun vermehrt auch persönliche Anreden, unter Umständen sogar die korrekte Anschrift oder Telefonnummern.
Handlungsempfehlung: Fragen Sie sich, ob der in der E-Mail genannte Dienstleister mit Ihnen in einer Geschäftsbeziehung steht, Ihre E-Mail-Adresse kennen kann und dieser mit Ihnen im Regelfall per E-Mail kommuniziert.

Inhalte: Mittels Phishing-E-Mails wird meist ein dringender Handlungsbedarf signalisiert, verbunden mit der Androhung von unangenehmen Folgen, sofern eine konkrete Handlung ausbleibt. Derartige Inhalte sollen bewirken, dass in den Empfängern Panik hervorgerufen wird, welche meist ein unvorsichtiges Handeln zur Folge hat. Sie werden zudem aufgefordert, vertrauliche Daten einzugeben. Anders als noch vor einigen Jahren weisen viele Phishing-Mails inzwischen keinerlei sprachliche Mängel mehr auf. Auch bei gut formuliertem Text sollten Sie deshalb wachsam sein.
Handlungsempfehlung: Hinterfragen Sie auch hier, ob der Dienstleister für das geschilderte Anliegen auf diese Weise normalerweise mit Ihnen in Kontakt treten würde. Gerade Finanzdienstleister versenden im Regelfall keine E-Mails, die Links oder Formulare enthalten oder in denen Sie zum Einloggen in Ihr Kundenkonto aufgefordert werden. Überprüfen Sie zudem gegebenenfalls genannte Transaktions-, Rechnungs- oder Bestellnummern. Öffnen Sie hierfür jedoch keine Anhänge.

Absender: Die Absender-E-Mail-Adresse stimmt meist nicht mit dem des vorgegebenen Unternehmens überein.
Handlungsempfehlung: Überprüfen Sie in Zweifelsfällen die Angaben im E-Mail-Header. Eine ausführliche Anleitung hierzu finden Sie im Artikel der Verbraucherzentrale „So lesen Sie den Mail-Header“.

Links und Anhänge: Die in einer Phishing-E-Mail eingefügten Links stimmen in der Regel nicht mit dem im E-Mail-Text angegebenen Internetadressen überein. Vorsicht bei Anhängen mit Formaten wie .exe oder .scr. Diese können Schadsoftware direkt auf Ihr Gerät laden. Manchmal werden Nutzer oder Nutzerinnen auch durch Doppelendungen wie Dokument.pdf.exe in die Irre geführt.
Handlungsempfehlung: Wenn Sie Ihre E-Mails mit einem Browser verwalten, werfen Sie einen Blick auf den sogenannten Quelltext der HTML-Mail. In einem gängigen E-Mail-Programm können Sie den Cursor einfach mit der Maus über die Absenderzeile führen, aber ohne darauf zu klicken. Dann sehen Sie die, ob in der Absenderzeile eine andere Adresse eingebettet ist.

Bestehen nach der Überprüfung der E-Mail weiterhin Zweifel, kontaktieren Sie den Dienstleister über die Ihnen bekannten Kontaktdaten – nutzen Sie hierfür unter keinen Umständen die in der E-Mail angegebenen Daten und antworten Sie auch nicht auf diese.


WIE VERHALTE ICH MICH WENN ICH EINE PHISHING-E-MAIL ERHALTEN HABE?

Haben Sie eine eingehende E-Mail als Phishing-Versuch enttarnt, verschieben Sie die betreffende E-Mail umgehend in den Spam-Ordner. Zusätzlich können Sie eine Meldung an den „echten“ Dienstleister vornehmen sowie die Phishing-E-Mail der Verbraucherzentrale über phishing@verbraucherzentrale.nrw melden.


WAS IST ZU UNTERNEHMEN, WENN AUF EINE PHISHING-E-MAIL REAGIERT WURDE?

Sollte sich erst nach der Bearbeitung einer entsprechenden E-Mail herausstellen, dass es sich um eine Phishing-Attacke gehandelt hat, sollte das jeweilige Endgerät umgehend auf Schadsoftware überprüft werden. Wurden im Zusammenhang mit der Phishing-E-Mail-Zugangsdaten eingegeben, sind diese unverzüglich abzuändern und betroffene Nutzerkonten gegebenenfalls zu sperren (für eine anschließende Entsperrung sollten ausschließlich die neuen Zugangsdaten verwendet werden). Sofern Unternehmensdaten betroffen sind, sollte eine Strafanzeige wegen des Ausspähens von Daten erstattet werden.

Eine Reaktion auf eine Phishing-E-Mail stellt eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten im Sinne von Art. 4 Nr. 12 DS-GVO dar. Bei derartigen Vorkommnissen sollte demnach der betriebliche / behördliche Datenschutzbeauftragte in den Vorfall einbezogen werden. Unter Umständen erwachsen dem Verantwortlichen Melde- und Informationspflichten gemäß Art. 33 und Art. 34 DS-GVO.


FAZIT

Aufgrund der steigenden Angriffszahlen ist es ratsam die Beschäftigten auf das Thema Phishing-E-Mails zu sensibilisieren und – sofern noch nicht geschehen – notwendige Verhaltensweise wie beispielsweise Meldewege bei Datenschutzverletzungen zu implementieren und zu dokumentieren. Angebracht ist Skepsis bei E-Mails unbekannter Absender. Weiterführende Informationen zum Thema „Phishing“ sind auf den Seiten des BSI sowie auf den Seiten der Verbraucherzentrale aufrufbar. Dort finden Sie auch ein „Phishing-Radar“ mit aktuellen Meldungen.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und IT-Sicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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PASSWORTSICHERHEIT

Passwörter dienen nicht nur dem Schutz vertraulicher Daten, sondern auch als Authentifizierungsmerkmal bei der Verwendung von Nutzerkonten. Umso wichtiger ist es daher, dass die eigens gewählten Passwörter einen hohen Schutzstandard aufweisen. Betrachtet man jedoch die Rangliste der beliebtesten Passwörter in Deutschland, so handelt es sich bei der Zeichenfolge „123456“ nach wie vor um das am meisten genutzte Passwort deutscher Internetnutzer – dicht gefolgt von „123456789“ und „passwort“.


WAS ZEICHNET EIN SICHERE PASSWORT AUS?

Ein sicheres Passwort sollte über mindestens zehn bis zwölf Zeichen verfügen und dabei Groß- und Kleinschreibung, Ziffern sowie Sonderzeichen enthalten. Auch wenn unter diesen Umständen die Verlockung groß ist: Vermeiden Sie es unbedingt, sich Ihre Passwörter zu notieren. Um sich komplexe Passwörter dennoch gut einprägen zu können, eignen sich unterschiedliche Hilfsstrategien: Zum einen kann ein beliebiger Satz gebildet werden, von dem die Anfangsbuchstaben eines jeden Wortes das Grundgerüst bilden. Im Anschluss können bestimmte Buchstaben in sich ähnelnde Ziffern oder Sonderzeichen umgewandelt werden. Zum anderen können aber auch einzelne, durch Ziffern und Sonderzeichen verbundene Wortgruppen ein sicheres Passwort darstellen. Das BSI empfiehlt darüber hinaus auch die Verwendung sogenannter Passwort-Manager.

Die Ergänzung von einfachen Ziffern oder üblichen Sonderzeichen am Anfang oder Ende eines einfachen Passwortes ist hingegen nicht empfehlenswert. Als Passwort gänzlich ungeeignet sind Namen von Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern, Geburtsdaten oder gängige Wiederholungs- und Tastaturmuster, wie beispielsweise „1234abcd“oder „asdfgh“. Auch sollte das vollständige Passwort möglichst in keinem Wörterbuch vorkommen.

Darüber hinaus sollten Passwörter nur einmalig vergeben werden. Eine regelmäßige anlasslose Änderung ist hingegen nach Ansicht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bei sicheren Passwörtern nicht mehr erforderlich (siehe IT Grundschutz „ORP.4 Identitäts- und Berechtigungsmanagement“, OPR.4.A23).


ÄNDERN SICH VOREINGESTELLTE PASSWÖRTER UMGEHEND

Diverse Hardware- und Softwarelösungen verfügen über allgemein bekannte voreingestellte oder „leere“ Passwörter. Diese stellen ein besonderes Sicherheitsrisiko dar und sind aus diesem Grund umgehend abzuändern. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass Router stets über ein mindestens 20-stelliges Passwort verfügen sollten.


SICHERN SIE IHRE ENDGERÄTE PER SPERRBILDSCHIRM

Sämtliche gängigen Betriebssysteme bieten automatische Bildschirm-Timeouts in Verbindung mit der Eingabe eines Passwortes bei Reaktivierung an. Diese Funktion sollte abhängig vom jeweiligen Endgerät, spätestens jedoch fünf Minuten nach der letzten Benutzeraktivität den Zugang sperren. Bei kürzerer Abwesenheit ist auch eine Sperrung per Tastenkombination, beispielsweise durch Windows-Taste + L möglich. Dies verhindert, dass unbefugte Dritte während Ihrer Abwesenheit Zugang zu personenbezogenen Daten sowie anderen vertraulichen Informationen erhalten.


GEBEN SIE PASSWÖRTER MÖGLICHST NUR AUF EIGENEN GERÄTEN EIN

Oftmals ist nicht bekannt, ob fremde Endgeräte über einen ausreichenden Schutz vor Schadprogrammen verfügen. Demnach kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass mittels sogenannter „Keylogger“ sämtliche Tastatur- und Bildschirmeingaben aufgezeichnet werden. Vermeiden Sie aus diesem Grund auf die Eingabe Ihrer Zugangsdaten bei der Nutzung fremder Endgeräte. Sofern Sie beispielsweise während einer Dienstreise gezwungenermaßen ausschließlich über fremde Geräte Ihre Zugangsdaten eingeben können, empfiehlt sich für diese Zeit die Nutzung eines temporären Ersatzpasswortes.


GEBEN SIE PASSWÖRTER NIEMALS WEITER

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Passwörtern auch um ein Authentifizierungsmerkmal Ihrer Person. Geben Sie aus diesem Grund Passwörter niemals weiter, weder an Familienangehörige noch an Vorgesetzte oder Kolleginnen und Kollegen. Ändern Sie Ihr Passwort umgehend, wenn Sie mitbekommen haben, dass ein anderer Ihre Zugangsdaten in Erfahrung bringen konnte.


TRENNEN SIE BERUFLICHE UND PRIVATE PASSWÖRTER

Verwenden Sie für berufliche und private Zwecke stets unterschiedliche Passwörter. So vermeiden Sie, dass berufliche Passwörter durch das Ausspähen von Zugangsdaten bei privaten Dienstanbietern bekannt werden.


NUTZEN SIE DIE ZWEI-FAKTOR-AUTHENTISIERUNG

Verschiedene Dienstanbieter bieten zusätzlich zum Passwortschutz eine sogenannte „Zwei-Faktor-Authentisierung“ an. Dabei wird nach der erfolgreichen Eingabe der Zugangsdaten zunächst ein zufällig generierter Code per SMS an eine zuvor festgelegte Telefonnummer gesendet. Erst mit der Eingabe dieses Codes erhält der jeweilige Nutzer einen Zugang. Alternativ wird dieses Verfahren teilweise auch mit speziellen Code-Generatoren und 2FA-Apps angeboten.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und IT-Sicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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EMOTET – AKTUELLE INFORMATIONEN

Die bekannteste Schadsoftware-Familie Emotet breitet sich erneut rasant aus. Mehr als 27.800 Varianten wurden durch Experten von GDATA im ersten Halbjahr 2020 bisher identifiziert. Durch die neuste Version wird dem Nutzer suggeriert, dass für die Nutzung von Microsoft Word ein Upgrade notwendig sei, damit die Inhalte einer Datei aufgerufen werden können. Die Nachrichten nutzen Social Engineering, um Nutzer davon zu überzeugen, den Dateianhang zu öffnen. Anknüpfungspunkte sind beispielsweise Rechnungen, Versandinformationen, Lebensläufe, Details zu einer Bestellung oder wichtige Informationen zur COVID-19-Pandemie. Insbesondere das aktuelle Infektionsgeschehen rund um die COVID-19-Pandemie wird immer wieder als Aufhänger genutzt (bspw. über Bereitstellung von Schutzmasken, Beantragung von Krediten und Förderungen sowie Empfehlungen und Ratschlägen der WHO oder des Bundesministeriums für Gesundheit).


WAS IST EMOTET?

Bei Emotet handelt es sich um eine Schadsoftware, die ursprünglich als Trojaner zur Manipulation von Online-Banking-Transaktionen entwickelt wurde. Mittlerweile hat sich der Virus jedoch als eine Art Allzweckwaffe der Cyberkriminellen etabliert. Der Grund hierfür ist eine einzigartige Flexibilität und Funktionalität des Schädlings. Emotet fungiert in vielen Fällen lediglich als „Türöffner“. Es handelt sich um einen sog. Maleware-Distributor. Die Gefahr durch Emotet liegt außerdem darin, dass bei einer Infektion neben den E-Mail-Kontakten des Nutzers auch Kommunikationsinhalte ausgelesen werden.


WIE FUNKTIONIERT EMOTET?

Der Trojaner ist in der Lage, authentisch aussehende E-Mails zu verschicken. Emotet erlangt die entsprechendenInformationen durch das Auslesen von Kontaktbeziehungen und E-Mail-Inhalten aus den Postfächern infizierter Systeme. Diese Informationen nutzen die Täter zur weiteren Verbreitung des jeweiligen Schadprogramms. Es werden gezielt E-Mails verschickt, die scheinbar von bereits bekannten Kontakten kommen und oft auch Auszüge aus einer früheren Kommunikation enthalten. Aufgrund der korrekten Angabe der Namen und E-Mail-Adressen von Absender und Empfänger in Betreff, Anrede und Signatur wirken diese Nachrichten authentisch. Sprachlich weisen die E-Mails kaum noch Fehler in Rechtsschreibung oder Grammatik auf. Dies verleitet zum unbedachten Öffnen des infizierten Dateianhangs oder der in der Nachricht enthaltenen Links.

Ist das System erst einmal infiziert, lädt Emotet weitere Schadsoftware nach, wie zum Beispiel den Banking-Trojaner Trickbot. Es kann aber grundsätzlich jede Art von Malware entalten sein, welche Zugangsdaten ausspäht und den Cyberkriminellen einen Zugriff auf die IT-Infrastruktur gewährt. Emotet durchsucht das Adressbuch und Kommunikationen seiner Opfer und verbreitet sich im Anhang von vermeintlich authentischen E-Mails im Schneeballsystem immer weiter. Außerdem wird eine Verbreitung im gesamten Netzwerk des Opfers möglich. Die Schadprogramme führen zu einem Datenabfluss oder ermöglichen durch Verschlüsselung die vollständige Kontrolle über das System. Bei Verschlüsselung folgt meist eine Lösegeldforderung zur Wiederherstellung der Dateien.


WIE KANN MAN SICH SCHÜTZEN?

Neben allgemein erforderlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen wie bspw. Installation von Sicherheitsupdates für Betriebssystem und Anwendungsprogramme (Web-Browser, E-Mail-Clients, Office-Anwendungen usw.), regelmäßige Backups und Einschränkungen von administrativen Benutzer-Rechten kann der bedeutsamste Schutz durch das Deaktivieren von Makros in Office-Anwendungen erreicht werden. Setzen Sie zudem eine Antiviren-Software ein und aktualisieren Sie diese immer wieder. Viele Infektionsfälle betreffen E-Mails mit angehängten .doc-Dateien, also veralteten Word-Versionen. Es empfiehlt sich, derartige Anhänge generell abzuweisen.

Ein Erkennungsmerkmal ist, dass im Absenderfeld der Name nicht zur angezeigten E-Mail-Adresse passt. Auffallend sind zudem ein sehr kurzer Text sowie Dateianhänge oder eingefügte Links mit der Aufforderung, diese zu öffnen. Die Schadsoftware verbirgt sich dann entweder im angehängten Dokument oder auf der verlinkten Website. Öffnen Sie auch bei vermeintlich bekannten Absendern nur mit Vorsicht Dateianhänge von E-Mails (insbesondere Office-Dokumente) und prüfen Sie in den Nachrichten enthaltene Links, bevor sie diese anklicken. Links und Anhänge sollten keinesfalls sorglos geöffnet werden. Eine entsprechende Sensibilisierung der Beschäftigten ist daher in jedem Fall ratsam, da der wohl entscheidendste Sicherheitsfaktor der Mensch bleibt. Wird im eigenen Posteingang eine verdächtige Nachricht eines bekannten Absenders erkannt, sollte der angegebene Absender informiert werden.


WAS IST BEI EINER INFIZIERUNG ZU TUN?

Informieren Sie Ihr Umfeld – und zuerst die IT – über die Infektion, denn Ihre E-Mailkontakte sind in diesem Fall besonders gefährdet. Die Schäden können sowohl wirtschaftlich als auch datenschutzrechtlich immens sein. Die Folge einer Infektion durch Emotet ist häufig ein großflächiger oder nahezu vollständiger Ausfall der IT-Infrastruktur. Aus diesen Gründen sollten in jedem Fall die betroffenen Rechner von Netzwerk isoliert werden. Anschließend müssen alle Schadkomponenten entfernt werden. Alle bei dem betroffenen System genutzten Zugangsdaten sind im Regelfall zu ändern, da diese abgegriffen werden konnten.


IST EINE MELDUNG AN DIE AUFSICHTSBEHÖRDE UND EINE INFORMATION AN DIE BETROFFENEN NOTWENDIG?

Sollte es zu einer Infektion durch Emotet kommen, liegt eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten im Sinne des Art. 4 Nr. 12 DS-GVO, weshalb eine ist eine Meldung an die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde gemäß Art. 33 DS-GVO verpflichtend ist.

Eine Information an das betriebliche Umfeld ist schon deshalb sinnvoll, da nur so eine Ausbreitung von Emotet gestoppt werden kann. Bestehende Kontakte bzw. Kommunikationspartner werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Grund der abgegriffenen Daten attackiert. Durch eine entsprechende Information besteht die Chance, dass eine Vorbereitung auf einen personalisierten Angriff ermöglicht wird. Datenschutzrechtlich besteht gemäß Art. 34 DS-GVO sogar eine Verpflichtung zur Benachrichtigung der Betroffenen, falls ein hohes Risiko für diese vorliegt – bei einer Emotet-Infektion ist davon auszugehen.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und IT-Sicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine.

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