SIE SIND FÜR DIE DATENSCHUTZKOORDINATION ZUSTÄNDIG?

Die Kollegen schauen mitleidig-erleichtert herüber. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort und haben die Aufgabe der Datenschutzkoordination „überholfen“ bekommen? Es fühlt sich undankbar und unproduktiv an und eigentlich wollten Sie anders wahrgenommen werden! Verantwortung schon, aber doch nicht dieser Kram, den sowieso keiner machen wollte….


DIE TÄTIGKEIT DER DATENSCHUTZKOORDINATION

Ich weiß, wovon Sie sprechen, weil es mir ganz genauso ging – damals, als ich den Datenschutz am Horizont auf mich zukommen sah. Ergeben und etwas maulig nahm ich mich der Sache an. Die erste großartige Erkenntnis: juristisches Kauderwelsch und – für mich – völlig unklare Begrifflichkeiten. Einige Zeit versuchte ich, das Thema zu ignorieren. Recht erfolgreich. Ein paar Mails des externen Datenschutzbeauftragten taten nicht weiter weh.

Dann, ein paar Jahre vor dem 25. Mai 2018 warf die DS-GVO ihre mächtigen Schatten voraus und die Geschäftsführung drängte auf Gespräche, Ergebnisse. Ich kramte die Mails hervor und las mich durch die gesendeten Unterlagen – warum der ganze Zauber eigentlich? Bei den vielen Versuchen zu verstehen, den Sinn der Antwortmails auszumachen, scheiterte ich immer wieder. Nachfragen halfen nur so mäßig weiter und so vergingen gute und schlechte Tage. Was ich unterschätzte war, dass steter Tropfen auch hier den Stein höhlte und ich mit jedem neuen Versuch zu verstehen, wirklich etwas verstand.

Es gelang mir immer besser, auf Kundenanfragen, Mitarbeiteranfragen und Fragen der Geschäftsführung zu antworten. Bald auch auf die Fragen des externen Datenschutzbeauftragten und ich wurde sicherer und ruhiger. So wurde ich immer häufiger eingebunden, nach meiner Einschätzung befragt und konnte weiterhelfen und maßgeblich zur Strukturierung der Arbeitsweise beitragen. Das sorgte für Vertrauen auf allen Seiten. Der Einführung der DS-GVO sahen wir gut vorbereitet entgegen.

Am Ende beschloss ich, mich hauptsächlich diesem Beratungsbereich zu widmen und anderen Menschen einen Zugang zu ihrer Aufgabe in der Datenschutzkoordination zu ermöglichen. Allerdings ist auch zu sagen, dass sich dieser Idee ein langer und manchmal steiniger Weg anschloss und ich hart dafür arbeiten musste, heute „eine vom DID“ sein zu können. Durch verschiedenste Erfahrungen erlaube ich mir, das genauso zu sagen. Heute bin ich geprüfte Datenschutzbeauftragte und zertifizierte Beauftragte für Informationssicherheit und verstehe mich als Dolmetscherin, als Verbündete und als Motivatorin für alle Diejenigen, die sich hier wiederfinden. Und – und das hätte ich zu Beginn dieser Geschichte niemals gedacht – ich mache diese Arbeit unglaublich gerne. Das Fachgebiet ist sehr spannend, ich habe viele, tolle Mandate mit überaus freundlichen und sehr engagierten Datenschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren und, ebenfalls sehr wichtig, ein hervorragend ausgebildetes, dynamisches, ehrgeiziges Team aus empathischen und herzlichen Kolleginnen und Kollegen.


WARUM ICH IHNEN MEINE GESCHICHTE ERZÄHLE?

Damit Sie nicht verzweifeln, weil neben der normalen Arbeit, zu welcher Sie eigentlich angetreten sind, der Umsetzung vieler Rechtsvorschriften jetzt noch die Umsetzung des Datenschutzes auf Ihrem Tisch liegt. Versuchen Sie es als Kompliment zu verstehen. Es bedarf besonderen Vertrauens der Geschäftsführung, Ihnen diese Aufgabe zu übergeben. Sie schützen das Unternehmen mit Ihrem Wissen und Ihrem Engagement ein Datenschutzmanagement aufzubauen. Sie kennen das Unternehmen, nach dieser gründlichen Durchleuchtung der Prozesse, wie kaum eine andere Person. Sie werden in der Lage sein, Mitarbeiter, Geschäftsführung wie Kunden zu beraten – man wird auf Sie hören.

Sie werden die Person sein, welche den direkten Kontakt zum externen Datenschutzbeauftragten hält und welche bspw. in der Meldekette für Datenschutzvorfälle ganz oben steht. Sie werden die Menschen unter Umständen schulen, beruhigen, ihnen alle notwendigen Dokumente zur Verfügung stellen, damit sie in ihrem alltäglichen Tun sicher sind. Sie können an Treffen der örtlichen Erfa-Kreise teilnehmen und bekommen aktuelle Informationen des Datenschutzbeauftragten in der Regel mit zuallererst. Mit anderen Worten: Dieser Bereich kann eine große Chance sein, eigene Strukturen zu schaffen und große, positive Wahrnehmung und Respekt zu erfahren.

Wenn ich die Zeilen überfliege, ist dies kein Kondolenzschreiben geworden, sondern eher eine Hommage an die Datenschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren die ich kenne und sehr schätze. Wenn Sie Fragen haben oder Anmerkungen, melden Sie sich gerne bei mir – das meine ich völlig ernst. Und herzliche Grüße an Alle, die sich angesprochen fühlen.

Über die Autorin: Frauke Kühling-Schieferdecker ist Betriebswirtin der Handwerkskammer und ist als externe Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragte beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus ihrer Beratungstätigkeit liegen insbesondere mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie die Autorin gerne per E-Mail kontaktieren.

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