PASSWORTSICHERHEIT

Passwörter dienen nicht nur dem Schutz vertraulicher Daten, sondern auch als Authentifizierungsmerkmal bei der Verwendung von Nutzerkonten. Umso wichtiger ist es daher, dass die eigens gewählten Passwörter einen hohen Schutzstandard aufweisen. Betrachtet man jedoch die Rangliste der beliebtesten Passwörter in Deutschland, so handelt es sich bei der Zeichenfolge „123456“ nach wie vor um das am meisten genutzte Passwort deutscher Internetnutzer – dicht gefolgt von „123456789“ und „passwort“.


WAS ZEICHNET EIN SICHERE PASSWORT AUS?

Ein sicheres Passwort sollte über mindestens zehn bis zwölf Zeichen verfügen und dabei Groß- und Kleinschreibung, Ziffern sowie Sonderzeichen enthalten. Auch wenn unter diesen Umständen die Verlockung groß ist: Vermeiden Sie es unbedingt, sich Ihre Passwörter zu notieren. Um sich komplexe Passwörter dennoch gut einprägen zu können, eignen sich unterschiedliche Hilfsstrategien: Zum einen kann ein beliebiger Satz gebildet werden, von dem die Anfangsbuchstaben eines jeden Wortes das Grundgerüst bilden. Im Anschluss können bestimmte Buchstaben in sich ähnelnde Ziffern oder Sonderzeichen umgewandelt werden. Zum anderen können aber auch einzelne, durch Ziffern und Sonderzeichen verbundene Wortgruppen ein sicheres Passwort darstellen. Das BSI empfiehlt darüber hinaus auch die Verwendung sogenannter Passwort-Manager.

Die Ergänzung von einfachen Ziffern oder üblichen Sonderzeichen am Anfang oder Ende eines einfachen Passwortes ist hingegen nicht empfehlenswert. Als Passwort gänzlich ungeeignet sind Namen von Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern, Geburtsdaten oder gängige Wiederholungs- und Tastaturmuster, wie beispielsweise „1234abcd“oder „asdfgh“. Auch sollte das vollständige Passwort möglichst in keinem Wörterbuch vorkommen.

Darüber hinaus sollten Passwörter nur einmalig vergeben werden. Eine regelmäßige anlasslose Änderung ist hingegen nach Ansicht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bei sicheren Passwörtern nicht mehr erforderlich (siehe IT Grundschutz „ORP.4 Identitäts- und Berechtigungsmanagement“, OPR.4.A23).


ÄNDERN SICH VOREINGESTELLTE PASSWÖRTER UMGEHEND

Diverse Hardware- und Softwarelösungen verfügen über allgemein bekannte voreingestellte oder „leere“ Passwörter. Diese stellen ein besonderes Sicherheitsrisiko dar und sind aus diesem Grund umgehend abzuändern. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass Router stets über ein mindestens 20-stelliges Passwort verfügen sollten.


SICHERN SIE IHRE ENDGERÄTE PER SPERRBILDSCHIRM

Sämtliche gängigen Betriebssysteme bieten automatische Bildschirm-Timeouts in Verbindung mit der Eingabe eines Passwortes bei Reaktivierung an. Diese Funktion sollte abhängig vom jeweiligen Endgerät, spätestens jedoch fünf Minuten nach der letzten Benutzeraktivität den Zugang sperren. Bei kürzerer Abwesenheit ist auch eine Sperrung per Tastenkombination, beispielsweise durch Windows-Taste + L möglich. Dies verhindert, dass unbefugte Dritte während Ihrer Abwesenheit Zugang zu personenbezogenen Daten sowie anderen vertraulichen Informationen erhalten.


GEBEN SIE PASSWÖRTER MÖGLICHST NUR AUF EIGENEN GERÄTEN EIN

Oftmals ist nicht bekannt, ob fremde Endgeräte über einen ausreichenden Schutz vor Schadprogrammen verfügen. Demnach kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass mittels sogenannter „Keylogger“ sämtliche Tastatur- und Bildschirmeingaben aufgezeichnet werden. Vermeiden Sie aus diesem Grund auf die Eingabe Ihrer Zugangsdaten bei der Nutzung fremder Endgeräte. Sofern Sie beispielsweise während einer Dienstreise gezwungenermaßen ausschließlich über fremde Geräte Ihre Zugangsdaten eingeben können, empfiehlt sich für diese Zeit die Nutzung eines temporären Ersatzpasswortes.


GEBEN SIE PASSWÖRTER NIEMALS WEITER

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Passwörtern auch um ein Authentifizierungsmerkmal Ihrer Person. Geben Sie aus diesem Grund Passwörter niemals weiter, weder an Familienangehörige noch an Vorgesetzte oder Kolleginnen und Kollegen. Ändern Sie Ihr Passwort umgehend, wenn Sie mitbekommen haben, dass ein anderer Ihre Zugangsdaten in Erfahrung bringen konnte.


TRENNEN SIE BERUFLICHE UND PRIVATE PASSWÖRTER

Verwenden Sie für berufliche und private Zwecke stets unterschiedliche Passwörter. So vermeiden Sie, dass berufliche Passwörter durch das Ausspähen von Zugangsdaten bei privaten Dienstanbietern bekannt werden.


NUTZEN SIE DIE ZWEI-FAKTOR-AUTHENTISIERUNG

Verschiedene Dienstanbieter bieten zusätzlich zum Passwortschutz eine sogenannte „Zwei-Faktor-Authentisierung“ an. Dabei wird nach der erfolgreichen Eingabe der Zugangsdaten zunächst ein zufällig generierter Code per SMS an eine zuvor festgelegte Telefonnummer gesendet. Erst mit der Eingabe dieses Codes erhält der jeweilige Nutzer einen Zugang. Alternativ wird dieses Verfahren teilweise auch mit speziellen Code-Generatoren und 2FA-Apps angeboten.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und IT-Sicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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EMOTET – AKTUELLE INFORMATIONEN

Die bekannteste Schadsoftware-Familie Emotet breitet sich erneut rasant aus. Mehr als 27.800 Varianten wurden durch Experten von GDATA im ersten Halbjahr 2020 bisher identifiziert. Durch die neuste Version wird dem Nutzer suggeriert, dass für die Nutzung von Microsoft Word ein Upgrade notwendig sei, damit die Inhalte einer Datei aufgerufen werden können. Die Nachrichten nutzen Social Engineering, um Nutzer davon zu überzeugen, den Dateianhang zu öffnen. Anknüpfungspunkte sind beispielsweise Rechnungen, Versandinformationen, Lebensläufe, Details zu einer Bestellung oder wichtige Informationen zur COVID-19-Pandemie. Insbesondere das aktuelle Infektionsgeschehen rund um die COVID-19-Pandemie wird immer wieder als Aufhänger genutzt (bspw. über Bereitstellung von Schutzmasken, Beantragung von Krediten und Förderungen sowie Empfehlungen und Ratschlägen der WHO oder des Bundesministeriums für Gesundheit).


WAS IST EMOTET?

Bei Emotet handelt es sich um eine Schadsoftware, die ursprünglich als Trojaner zur Manipulation von Online-Banking-Transaktionen entwickelt wurde. Mittlerweile hat sich der Virus jedoch als eine Art Allzweckwaffe der Cyberkriminellen etabliert. Der Grund hierfür ist eine einzigartige Flexibilität und Funktionalität des Schädlings. Emotet fungiert in vielen Fällen lediglich als „Türöffner“. Es handelt sich um einen sog. Maleware-Distributor. Die Gefahr durch Emotet liegt außerdem darin, dass bei einer Infektion neben den E-Mail-Kontakten des Nutzers auch Kommunikationsinhalte ausgelesen werden.


WIE FUNKTIONIERT EMOTET?

Der Trojaner ist in der Lage, authentisch aussehende E-Mails zu verschicken. Emotet erlangt die entsprechendenInformationen durch das Auslesen von Kontaktbeziehungen und E-Mail-Inhalten aus den Postfächern infizierter Systeme. Diese Informationen nutzen die Täter zur weiteren Verbreitung des jeweiligen Schadprogramms. Es werden gezielt E-Mails verschickt, die scheinbar von bereits bekannten Kontakten kommen und oft auch Auszüge aus einer früheren Kommunikation enthalten. Aufgrund der korrekten Angabe der Namen und E-Mail-Adressen von Absender und Empfänger in Betreff, Anrede und Signatur wirken diese Nachrichten authentisch. Sprachlich weisen die E-Mails kaum noch Fehler in Rechtsschreibung oder Grammatik auf. Dies verleitet zum unbedachten Öffnen des infizierten Dateianhangs oder der in der Nachricht enthaltenen Links.

Ist das System erst einmal infiziert, lädt Emotet weitere Schadsoftware nach, wie zum Beispiel den Banking-Trojaner Trickbot. Es kann aber grundsätzlich jede Art von Malware entalten sein, welche Zugangsdaten ausspäht und den Cyberkriminellen einen Zugriff auf die IT-Infrastruktur gewährt. Emotet durchsucht das Adressbuch und Kommunikationen seiner Opfer und verbreitet sich im Anhang von vermeintlich authentischen E-Mails im Schneeballsystem immer weiter. Außerdem wird eine Verbreitung im gesamten Netzwerk des Opfers möglich. Die Schadprogramme führen zu einem Datenabfluss oder ermöglichen durch Verschlüsselung die vollständige Kontrolle über das System. Bei Verschlüsselung folgt meist eine Lösegeldforderung zur Wiederherstellung der Dateien.


WIE KANN MAN SICH SCHÜTZEN?

Neben allgemein erforderlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen wie bspw. Installation von Sicherheitsupdates für Betriebssystem und Anwendungsprogramme (Web-Browser, E-Mail-Clients, Office-Anwendungen usw.), regelmäßige Backups und Einschränkungen von administrativen Benutzer-Rechten kann der bedeutsamste Schutz durch das Deaktivieren von Makros in Office-Anwendungen erreicht werden. Setzen Sie zudem eine Antiviren-Software ein und aktualisieren Sie diese immer wieder. Viele Infektionsfälle betreffen E-Mails mit angehängten .doc-Dateien, also veralteten Word-Versionen. Es empfiehlt sich, derartige Anhänge generell abzuweisen.

Ein Erkennungsmerkmal ist, dass im Absenderfeld der Name nicht zur angezeigten E-Mail-Adresse passt. Auffallend sind zudem ein sehr kurzer Text sowie Dateianhänge oder eingefügte Links mit der Aufforderung, diese zu öffnen. Die Schadsoftware verbirgt sich dann entweder im angehängten Dokument oder auf der verlinkten Website. Öffnen Sie auch bei vermeintlich bekannten Absendern nur mit Vorsicht Dateianhänge von E-Mails (insbesondere Office-Dokumente) und prüfen Sie in den Nachrichten enthaltene Links, bevor sie diese anklicken. Links und Anhänge sollten keinesfalls sorglos geöffnet werden. Eine entsprechende Sensibilisierung der Beschäftigten ist daher in jedem Fall ratsam, da der wohl entscheidendste Sicherheitsfaktor der Mensch bleibt. Wird im eigenen Posteingang eine verdächtige Nachricht eines bekannten Absenders erkannt, sollte der angegebene Absender informiert werden.


WAS IST BEI EINER INFIZIERUNG ZU TUN?

Informieren Sie Ihr Umfeld – und zuerst die IT – über die Infektion, denn Ihre E-Mailkontakte sind in diesem Fall besonders gefährdet. Die Schäden können sowohl wirtschaftlich als auch datenschutzrechtlich immens sein. Die Folge einer Infektion durch Emotet ist häufig ein großflächiger oder nahezu vollständiger Ausfall der IT-Infrastruktur. Aus diesen Gründen sollten in jedem Fall die betroffenen Rechner von Netzwerk isoliert werden. Anschließend müssen alle Schadkomponenten entfernt werden. Alle bei dem betroffenen System genutzten Zugangsdaten sind im Regelfall zu ändern, da diese abgegriffen werden konnten.


IST EINE MELDUNG AN DIE AUFSICHTSBEHÖRDE UND EINE INFORMATION AN DIE BETROFFENEN NOTWENDIG?

Sollte es zu einer Infektion durch Emotet kommen, liegt eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten im Sinne des Art. 4 Nr. 12 DS-GVO, weshalb eine ist eine Meldung an die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde gemäß Art. 33 DS-GVO verpflichtend ist.

Eine Information an das betriebliche Umfeld ist schon deshalb sinnvoll, da nur so eine Ausbreitung von Emotet gestoppt werden kann. Bestehende Kontakte bzw. Kommunikationspartner werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Grund der abgegriffenen Daten attackiert. Durch eine entsprechende Information besteht die Chance, dass eine Vorbereitung auf einen personalisierten Angriff ermöglicht wird. Datenschutzrechtlich besteht gemäß Art. 34 DS-GVO sogar eine Verpflichtung zur Benachrichtigung der Betroffenen, falls ein hohes Risiko für diese vorliegt – bei einer Emotet-Infektion ist davon auszugehen.

Über den Autor: Alexander Weidenhammer ist Rechtsanwalt und als externer Datenschutz- und IT-Sicherheitsbeauftragter beim Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Im Fokus seiner Beratungstätigkeiten liegen insbesondere Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien, mittelständische Unternehmen sowie Vereine.

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