ANGEMESSENHEITSBESCHLÜSSE FÜR DAS VEREINIGTE KÖNIGREICH

In unserem Blog-Beitrag „Die datenschutzrechtlichen Folgen des Brexit“ stellten wir Ende letzten Jahres dar, welche kurz- und langfristigen Auswirkungen der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union aus datenschutzrechtlicher Sicht haben könnte. Zum damaligen Zeitpunkt deutete vieles darauf hin, dass das Vereinigte Königreich spätestens zum 01. Juli 2021 als datenschutzrechtliches Drittland anzusehen sein und somit für Übermittlungen personenbezogener Daten die gleichen Anforderungen wie beispielsweise in die USA gelten würden. Zu Ende Juni hat die Europäische Kommission jedoch zwei Angemessenheitsbeschlüsse zum Vereinigten Königreich angenommen, sodass sich die Rechtslage nun anders darstellt.


ÜBERMITTLUNGEN PERSONENBEZOGENER DATEN AN DRITTLÄNDER ODER INTERNATIONALE ORGANISATIONEN

Nach Kapitel V der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) hinsichtlich der Übermittlung personenbezogener Daten an Drittländer oder internationale Organisationen bedarf es für eine solche zusätzlich zu einer einschlägigen Übermittlungsgrundlage ebenfalls der Erfüllung der Bedingungen der Artt. 44 ff. DS-GVO. Hierdurch soll gemäß Art. 44 Satz 2 DS-GVO auch bei einer Verarbeitung in Drittländern und durch internationale Organisationen eine Sicherstellung des durch die Verordnung gewährleisteten Schutzniveaus erreicht werden.

Neben einem Angemessenheitsbeschluss der Europäischen Kommission im Sinne des Art. 45 Abs. 3 DS-GVO kann eine Übermittlung personenbezogener Daten in diesem Zusammenhang ebenfalls auf geeignete Garantien nach Art. 46 DS-GVO gestützt werden. Hierzu zählen insbesondere die sogenannten Binding Corporate Rules (BCR), Standarddatenschutzklauseln der Europäischen Kommission oder einer Aufsichtsbehörde, genehmigte Verhaltensregeln oder einzeln ausgehandelte und durch die zuständige Aufsichtsbehörde genehmigte Vertragsklauseln, die zwischen den Vertragsparteien vereinbart wurden. Weiterhin kann eine derartige Übermittlung personenbezogener Daten ebenfalls auf eine ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person, nachdem sie über die bestehenden Risiken einer solchen Datenübermittlung aufgeklärt wurde, auf Grundlage eines Vertrages sowie auf die Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen gestützt werden, sofern eine Übermittlung hierfür zwingend erforderlich ist.


DATENÜBERMITTLUNG AUF GRUNDLAGE EINES ANGEMESSENHEITSBESCHLUSSES

Die Europäische Kommission kann auf Grundlage des Art. 45 DS-GVO einen Beschluss treffen, nach welchem für ein Drittland oder eine internationale Organisation ein angemessenes Schutzniveau festgestellt wird. Gemäß Art. 45 Abs. 2 DS-GVO hat die Kommission hierbei folgende Kriterien zu berücksichtigen:

– Die Rechtsstaatlichkeit, die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, einschlägige Rechtsvorschriften, auch in Bezug auf die öffentliche Sicherheit, Verteidigung, nationale Sicherheit und Strafrecht sowie der Zugang der Behörden zu personenbezogenen Daten, die Anwendung dieser und datenschutzrechtlicher Vorschriften sowie die Möglichkeit zur Durchsetzung von Rechten der betroffenen Person und die Wirksamkeit der verwaltungsrechtlichen und gerichtlichen Rechtsbehelfe;

– Die Existenz und wirksame Funktionsweise unabhängiger Aufsichtsbehörden für die Einhaltung und Durchsetzung datenschutzrechtlicher Vorschriften, einschließlich angemessener Durchsetzungsbefugnisse sowie für die Unterstützung und Beratung von betroffenen Personen bei der Ausübung ihrer Rechte und für die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden anderer Mitgliedstaaten;

– Die eingegangenen internationalen Verpflichtungen, die sich aus rechtsverbindlichen Übereinkünften oder Instrumenten sowie aus der Teilnahme an multilateralen oder regionalen Systemen insbesondere in Bezug auf den Schutz personenbezogener Daten ergeben.

Sofern die Kommission unter Berücksichtigung der aufgeführten Kriterien eine Angemessenheit des Datenschutzniveaus feststellt, übernimmt diese die Aufgabe der regelmäßigen Überwachung, im Rahmen derer stets die aktuellen Entwicklungen innerhalb des Drittlandes oder der internationalen Organisation berücksichtigt werden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen folgende Länder und Gebiete über einen Angemessenheitsbeschluss der Europäischen Kommission: Andorra, Argentinien, Färöer-Inseln, Guernsey, Israel, Isle of Man, Japan, Jersey, Kanada (beschränkt auf Datenübermittlungen an „commercial organisations“), Neuseeland, Schweiz, Uruguay und das Vereinigte Königreich. Weiterhin ist ein Angemessenheitsbeschluss für das Land Südkorea absehbar.

In die zuvor genannten Länder kann eine Übermittlung personenbezogener Daten auf Grundlage des Angemessenheitsbeschlusses erfolgen. Es bedarf sodann – neben der Beachtung der sonstigen datenschutzrechtlichen Vorschriften – keiner weiteren besonderen Vorkehrungen.


HINTERGRÜNDE ZU DEN ANGEMESSENHEITSBESCHLÜSSEN FÜR DAS VEREINIGTE KÖNIGREICH

Für das Vereinigte Königreich liegen nunmehr zwei Angemessenheitsbeschlüsse vor: Zum einen im Anwendungsbereich der DS-GVO und zum anderen im Rahmen der Richtlinie zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten im Rahmen der Strafverfolgung. Ausdrücklich vom sachlichen Geltungsbereich der Angemessenheitsbeschlüsse ausgenommen sind jedoch Datenübermittlungen im Zusammenhang mit der Einwanderungskontrolle des Vereinigten Königreichs.

Insgesamt liegen den Angemessenheitsbeschlüssen der Europäischen Kommission folgende Erwägungen zugrunde:

– Die datenschutzrechtlichen Regelungen haben sich seit Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union nicht verändert. Die bisherig durch die DS-GVO auferlegten Grundsätze sowie Rechte und Pflichten wurden in das nationale Recht übernommen.

– Hinsichtlich des möglichen Zugriffs auf personenbezogene Daten durch Ermittlungsbehörden sieht das Rechtssystem des Vereinigten Königreichs geeignete Garantien vor. So müssen Datenverarbeitungen durch Nachrichtendienste stets erforderlich sowie verhältnismäßig sein und bedürfen der vorherigen Genehmigung durch ein unabhängiges Rechtsorgan. Weiterhin stehen betroffenen Personen gerichtliche Rechtsbehelfe zur Verfügung. Zudem unterliegt das Vereinigte Königreich auch zukünftig einer Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der Europäischen Menschenrechtskonvention sowie dem Übereinkommen des Europarates zum Schutz des Menschen bei der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten.

– Die Geltungsdauer der Angemessenheitsbeschlüsse ist erstmalig per Klausel zeitlich beschränkt. Die Beschlüsse laufen grundsätzlich nach einer Geltungsdauer von vier Jahren ab. Soweit das Datenschutzniveau nach Ablauf der vier Jahren weiterhin dem der DS-GVO entspricht, ist der Annahmeprozess erneut zu durchlaufen.


FAZIT

Die Angemessenheitsbeschlüsse für das Vereinigte Königreich bieten für die Übermittlung personenbezogener Daten für verantwortliche Stellen (zunächst) Rechtssicherheit. Insbesondere mit Blick auf das „Schrems II“-Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) und die entsprechenden Auswirkungen auf Datenübermittlungen in die USA werden jedoch die weiteren rechtlichen Entwicklungen und Rechtsprechungen des EuGH abzuwarten sein. Erst im Oktober des vergangenen Jahres befand dieser die weitreichenden Datenverarbeitungsbefugnisse von Ermittlungsbehörden des Vereinigten Königreiches für unzulässig. Möglicherweise ereilt den Angemessenheitsbeschlüssen somit in nicht allzu ferner Zukunft ein ähnliches Schicksal wie dem EU-US-Privacy Shield.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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DREI JAHRE DATENSCHUTZ-GRUNDVERORDNUNG

Am 25. Mai 2021 jährt sich das Datum zur Anwendbarkeit der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) bereits zum dritten Mal. Bestanden in den ersten beiden Jahren die Herausforderungen insbesondere in der Bewältigung des Überraschungsmomentes sowie der Ergründung, medialen Aufbereitung und Beseitigung von Datenschutz-Mythen und Rechtsunsicherheiten, waren die vergangenen zwölf Monate hauptsächlich durch pandemiebedingte Fragestellungen geprägt. Home-Office, Kontaktnachverfolgung und Videokonferenzen – selbstverständlich inklusive der stets mitschwingenden Datenübermittlung in Drittländer – bestimmten in dieser Zeit die Arbeit aller Datenschützenden. Anlass genug für eine kurze Betrachtung des datenschutzrechtlichen Ist-Zustandes.


EVALUATION DER DS-GVO IM JAHR 2020

Gemäß Art. 97 Abs. 1 S. 1 DS-GVO hatte die Kommission bis zum 25. Mai 2020 dem Europäischen Parlament und dem Rat einen Bericht über die Bewertung und Überprüfung der DS-GVO vorzulegen. Dieser wurde mit rund einem Monat Verspätung am 24. Juni 2020 veröffentlicht. Gegenstand dieses Berichts können gemäß Art. 97 Abs. 2 DS-GVO insbesondere die Anwendung und Wirkweise des Kapitels V der DS-GVO über die Übermittlung personenbezogener Daten an Drittländer oder internationale Organisationen sowie des Kapitels VII bezüglich der Zusammenarbeit und Kohärenz der Aufsichtsbehörden sein. Die Kommission hat dabei die Möglichkeit unter Berücksichtigung der Entwicklungen in der Informationstechnologie und die Fortschritte in der Informationsgesellschaft geeignete Vorschläge zur Änderung der Verordnung vorzulegen.

In ihrem Bericht zieht die Kommission eine überwiegend positive Bilanz, greift in den Ausführungen aber insbesondere hinsichtlich der Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden untereinander zu kurz. Zwar ist hervorzuheben, dass die (personelle) Ausstattung der Aufsichtsbehörden zur Sicherstellung ihrer Aufgaben und Befugnisse gemäß Artt. 57, 58 DS-GVO nicht den aktuellen Anforderungen entspricht, jedoch stellt dies nur ein Teil des wesentlichen Problems dar. Im Speziellen am Beispiel der irischen Datenschutzaufsichtsbehörde wird deutlich, dass das sogenannte „One-Stop-Shop-Prinzip“ Potenzial zu Nachbesserungen bietet: Von 197 bei der irischen Aufsichtsbehörde anhängigen Verfahren, liegen gerade einmal zu vier Verfahren Entscheidungen vor.


DAS PROBLEM MIT DER DRITTLANDÜBERMITTLUNG

Mit Urteil vom 16. Juli 2020 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in der „Schrems II“-Entscheidung das sogenannte „EU-US-Privacy Shield“ für unzulässig erklärt. Die Begründung liegt darin, dass innerhalb der USA insbesondere aufgrund der Zugriffsmöglichkeiten von Geheimdiensten Datenverarbeitungen keinem gleichwertigen Datenschutzniveau unterliegen. Zwar sind Datenübermittlungen in die USA weiterhin möglich, beispielsweise unter Nutzung der Standardvertragsklauseln, jedoch sind hierbei technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen, um einen möglichen Zugriff seitens der US-Behörden grundsätzlich auszuschließen.

Speziell im Bereich von Internetseiten, z.B. bei der Implementierung von US-amerikanischen Videodiensten, stellt sich immer wieder die Frage, auf welche Rechtsgrundlage nach Kapitel V der DS-GVO  die Datenverarbeitung gestützt werden kann. Insbesondere unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EuGH und BGH zur Cookie-Thematik drängt sich hierbei oftmals die ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person gemäß Art. 49 Abs. 1 S. 1 lit. a DS-GVO auf. Strittig ist dabei jedoch, ob die „Ausnahmen für bestimmte Fälle“ nach Art. 49 DS-GVO überhaupt im Rahmen von Internetseiten und den damit einhergehenden regelmäßigen Datenverarbeitungen und einer Vielzahl von Anwendungsfällen herangezogen werden dürfen. Wird dies verneint – eine nicht selten vertretene Meinung – führt das zwangsläufig zum Ausschluss derartiger Inhalte mit datenschutzrechtlichem Drittlandbezug. An dieser Stelle tritt bei Seitenbetreibern vor allem bei Diensten mit fehlenden gleichwertigen Alternativen innerhalb der EU schnell Ernüchterung ein. Es muss somit die Frage erlaubt sein, ob sich der internationale Datenschutz mit der DS-GVO in der Sackgasse befindet.


HERAUSFORDERUNGEN IN DER PANDEMIE

Im Rahmen der Pandemiebekämpfung wurden vermehrt Stimmen nach einer Lockerung des Datenschutzes beziehungsweise zu einer größeren Flexibilität in der Anwendung datenschutzrechtlicher Regelungen laut. Hierbei wird oft vergessen, dass es sich bei dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung um ein aus den Grundrechten hergeleitetes Recht eines jeden Einzelnen handelt. Datenschutz ist somit Grundrechtsschutz.

Auch die Behauptung, der Datenschutz habe 70.000 Todesfälle verursacht, entbehrt jeglicher Grundlage. Ein exakter Blick auf die Normen der DS-GVO ergibt schnell: Datenverarbeitungen zum Schutz „lebenswichtiger Interessen“ (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. d DS-GVO) sind ebenso ausdrücklich vorgesehen und zulässig wie Datenverarbeitungen „aus Gründen des öffentlichen Interesses im Bereich der öffentlichen Gesundheit, wie dem Schutz vor schwerwiegenden grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren“ (Art. 9 Abs. 2 lit. i DS-GVO). Auch ein Blick in andere Länder zeigt, dass Datenschutz und ein erfolgreiches Pandemiemanagement einander nicht widersprechen müssen. Das in diesem Zusammenhang oftmals positiv vorangestellte Land Israel hat bereits im Jahr 2011 ein den europäischen Regelungen gleichwertiges Datenschutzniveau attestiert bekommen. Und auch in anderen Bereichen scheinen die rechtlichen Gegebenheiten nicht sonderlich von den hiesigen abzuweichen.

Oft in Vergessenheit gerät zudem, dass durch den Datenschutz und die Aufsichtsbehörden im Rahmen der Pandemiebekämpfung zahlreiche Maßnahmen mitgetragen werden. Seien es die vielfältigen Listen zur Kontaktnachverfolgung in Restaurants, Geschäften sowie im Rahmen körpernaher Dienstleistungen, die Realisierung von (nicht immer ganz datenschutzkonformen) Homeoffice-Lösungen oder die Nutzung von Videokonferenzsystemen mit Drittlandbezug. Letztgenanntes ist insbesondere im Zusammenhang mit Homeschooling ein viel diskutiertes Thema. Aber hat sich tatsächlich der Datenschutz die Defizite in diesem Bereich zuzuschreiben?


DER SCHLECHTE RUF DES DATENSCHUTZES

Vielfach steht der Datenschutz im Fokus diverser und kontroverser Diskussionen. Diese haben dabei häufig eines gemeinsam: Der Datenschutz verhindere ein bestimmtes Vorgehen oder verbaue Chancen und Möglichkeiten. Leider wird im Hinblick auf solche Debatten zu selten der tatsächliche Wahrheitsgehalt derartiger Behauptungen überprüft. Damit soll nun keine absolut konträre Darstellung erfolgen, grundsätzlich sei alles möglich. Durch die datenschutzrechtlichen Regelungen werden jedoch viel eher Rahmenbedingungen festgelegt, die datenverarbeitende Stellen zu achten und durch technische und organisatorische Maßnahmen sicherzustellen haben. Abstrakt betrachtet gilt Gleiches für eine Vielzahl weiterer Rechtsgebiete.

Dem Datenschutz fehlt es eindeutig an gutem Marketing. Hier gilt es in den nächsten Jahren große Arbeit zu leisten. Denn durch die zunehmende Digitalisierung werden auch die datenschutzrechtlichen Themen weiterhin an Bedeutung, aber auch an Komplexität gewinnen. Großes Potenzial bietet hierzulande die Verbesserung von Koordination und Kommunikation der datenschutzrechtlichen Aufsichtsbehörden untereinander. Deutschland bietet mit seinen 16 Bundesländern ein beachtliches Ausmaß von 17 Landesdatenschutzbeauftragten, ergänzt durch den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI). Im Zweifelsfall ergibt sich somit ein Konvolut an datenschutzrechtlichen Auffassungen zu identischen Sachverhalten in Deutschland. Dem Laien kann es in diesem Fall nur an Verständnis fehlen, wenn die DS-GVO auf eine europaweite Vereinheitlichung des Datenschutzrechts abzielt, dann aber Sachverhalte in Berlin und Potsdam jeweils kaum unterschiedlicher bewertet werden könnten. Ein mögliches Instrument besteht hierbei in Form der sogenannten „Datenschutzkonferenz“ (DSK) bereits.

Dass die DS-GVO grundsätzlich ein großes Potenzial bietet und einen Schritt in die richtige Richtung geht, ist kaum zu bestreiten. Das zeigen auch die zahlreichen „Nachahmungen“ der DS-GVO in anderen Ländern und Regionen, wie z.B. Brasilien oder Kalifornien. Nur bedarf es einer stetigen Beobachtung der technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie eine damit einhergehende Weiterentwicklung der datenschutzrechtlichen Normierungen. Zukünftige Evaluationen sollten diesen Anforderungen in ausreichendem Umfang Rechnung tragen. In diesem Sinne können wir nur gespannt darauf warten, welche Herausforderungen uns das vierte Jahr der DS-GVO bieten wird.

Über den Autor: Max Just, LL.M. ist Wirtschaftsjurist und als externer Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragter beim DID Dresdner Institut für Datenschutz tätig. Neben diversen öffentlichen Stellen berät er ebenfalls verschiedene IT- und mittelständische Unternehmen. Für Anregungen und Reaktionen zu diesem Beitrag können Sie den Autor gern per E-Mail kontaktieren.

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